Politiker von SPD und Grünen fordern die Kirchen auf, in den Weihnachtsmessen auch muslimische Lieder anzustimmen. Beinahe könnte man meinen, dass den gläubigen Christen der Übertritt zum Islam schmackhaft gemacht werden soll. Doch gäbe es nicht andere Möglichkeiten, als eines der wichtigsten christlichen Feste politisch zu vereinnahmen?

Von Marco Maier

Im Islam spielt die Geburt des christlichen Heilands keine große Rolle. Er ist zwar einer der Propheten, doch mit Mohammed lässt er sich nicht vergleichen. Allerdings fordern einige Abgeordnete von SPD und Grünen, dass in den Gottesdiensten zu Weihnachten nun auch ein muslimisches Lied erklingen soll, um damit unter anderem ein Zeichen gegen die wachsende PEGIDA-Bewegung zu setzen, aber auch um für mehr gegenseitige Toleranz zu werben.

Angestoßen wurde die Debatte vom Grünen-Abgeordneten Omid Nouripour, der gegenüber dem Springer-Blatt "Bild" sagte: "Es wäre ein tolles Zeichen des friedlichen Zusammenlebens der Religionen, wenn in der Kirche ein islamisches Lied gesungen würde und in der Moschee ein Weihnachtslied." Unterstützung erhielt Nouripour vom baden-württembergischen SPD-Abgeordneten Thomas Funk: "Wir brauchen Verständnis, Achtung und Toleranz", so der Sozialdemokrat gegenüber der "Bild". Dies ließe sich "mit einem Lied befördern".

Die Politiker vergessen hierbei, dass beide Religionen trotz ihrer Gemeinsamkeiten unterschiedliche Ansätze haben. Hinzu kommt der Umstand, dass sowohl Texte und Melodien der Lieder in den jeweils anderen Religionskreisen kaum bekannt sein dürften. Nicht zu vergessen: die Verwendung von Liedern aus anderen Religionen könnten dazu führen, dass gläubige Christen und Muslime sich enttäuscht abwenden könnten. Würde man von beiden Religionen auch verlangen Hindu-Riten zu Weihnachten abzuhalten, wenn es eine signifikante Minderheit von Hindus in Deutschland gäbe? Was ist mit traditionellen heidnischen Jul-Zeremonien, zumal es eine wachsende heidnische Bevölkerung gibt?

Ein besseres Verständnis und mehr religiöse Toleranz erreicht man nicht damit, dass man eines der wichtigsten Feste der Christenheit für politisch motivierte Zwecke missbraucht. Dazu gibt es bessere Möglichkeiten, die nicht gegen die religiösen Gefühle der Gläubigen gerichtet sind.

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Der Autor ist Agnostiker, entstammt jedoch einer katholischen Familie. Für ihn sind sämtliche Religionen per se gleichwertig, zumal sie sich allesamt auf von Menschen verfassten Mythen berufen.

4 KOMMENTARE

  1. Sagen wir mal, ich wär Gnostiker, bin in einer kath. St. Martin Schule geprägt worden, hab keinerlei Bezug mehr zu irgend einer instrumentalisierenden Religion.  Was soll dann dieser bekloppte Vorschlag.

    Wollen "sie" – wer immer sie sind, den Krieg jetzt auch in die Kirchen tragen?

    Wenn unbedingt die Schwarz-Rot-Grünen unbedingt drauf bestehen, was solls?      Dann sollen aber bitte auch in muslemischen Moscheen Greorgianische Choräle gesungen werden. Oder vielleicht "Großer Gott wir loben Dich"? Da könnten sich verschieden Gesinnte doch wohl zusammenfinden.(Sofern sie den Text verstehn)

     

  2. Beim derzeitig aufgeheizten Klima in der der deutschen Bevölkerung ist die Aufforderung der Politiker, in der Kirche auch muslimische Lieder zu singen, einfach der Gipfel der Unsensibilität. Diese Politiker gehören geradeaus abgesetzt, denn sie haben null Verständnis für die Anliegen der einheimischen Bevölkerung.

    Es ist wirklich anzuprangern, dass die Moslems an allen in der letzten Dekade entschiedenen politischen Entscheiden Schuld tragen soll. Aber was jetzt die politische Seite in dieser Angelegenheit selbst von sich gibt, ist noch um einiges unerträglicher für die Bevölkerung.

    Ich kann mich kaum des Eindrucks erwehren, dass die von den Bürgern auf den Tisch geknallten schweren Konfliktthemen von politischer Seite bewusst gefördert wurden. Und jetzt werden sie noch weiter aufgeheizt. Da will eine Machtgruppe einfach Krieg und Zerstörung, was durch bürgerkriegsähnliche Zustände herbeizuführen ist – genau wie in der Ukraine.

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