Teilnehmer der PEGIDA-Demo. Bild: Twitter / @NeinQuarterly
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Rund 10.000 Menschen versammelten sich gestern in Dresden beim Aufmarsch der "Patriotischen Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes" (PEGIDA), rund 400 bei der "DÜGIDA" Demonstration in Düsseldorf. Ihr Anliegen: die angebliche Islamisierung Europas aufzuhalten und sich "für die Zukunft unserer Kinder" und "für den Erhalt unserer Kultur" einzusetzen.

Von Marco Maier

Das Hauptaugenmerk der PEGIDA-Bewegung liegt vor allem bei der "drohenden Islamisierung Europas", sowie dem "Erhalt unserer Kultur". Nun, die seit den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 medial propagierte Meinung, wonach radikale Muslime die Schuld an Terroranschlägen hätten, sowie dem Terrorregime des "Islamischen Staates" in Syrien und im Irak, wächst die Angst vor dem Islam ständig an. Wenn in den westlichen Medien das Wort "Islam" vorkommt, dann entweder in Zusammenhang mit Gewaltakten, oder als Teil von Politiker-Reden, in denen er zum Teil Deutschlands erklärt wird.

Groß scheint vor allem die Angst davor zu sein, dass Europa dereinst muslimisch geprägt sein wird. In Deutschland selbst leben derzeit Schätzungen zufolge bis zu 4 Millionen Muslime. Das wären etwa 5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Selbst wenn man die etwas höhere Geburtenrate und die Zuwanderung miteinbezieht, dürfte der Anteil an der Gesamtbevölkerung selbst im Jahr 2030 nicht wesentlich höher liegen als jetzt. Einer Studie zufolge wächst die Zahl der Muslime in Europa von 1990 bis 2030 von 6 auf 8 Prozent der Bevölkerung. Rechnet man das bis zum Jahr 2100 hoch, liegt der muslimische Bevölkerungsanteil dann wohl bei etwa 13-16 Prozent.

Grund dafür ist neben der Zuwanderung aus muslimischen Ländern eben auch die höhere Geburtenrate. Wenn sich die PEGIDA-Anhänger also eher damit beschäftigen würden, die Geburtenrate der deutschen Bevölkerung zu erhöhen, hätten die skandierten Parolen, wonach sie sich "für die Zukunft unserer Kinder" einsetzen wollen, auch einen tatsächlichen Sinn. Doch die Deutschen selbst haben eben immer weniger Kinder. Hier wäre es interessant zu wissen, ob die Demonstrationsteilnehmer selbst auch jeweils mindestens 2 Kinder haben, um so den Bevölkerungsrückgang in Deutschland zu verlangsamen.

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Wenn es um die deutsche bzw. europäische Kultur geht, sieht die Sache oftmals nicht wirklich besser aus. In Zeiten, in denen fast ganz Europa schon als "zunehmend amerikanisiert" gelten kann, bleibt nicht mehr viel von Kultur und Tradition übrig. Selbst Feiern wie das Münchner Oktoberfest mutierten im Laufe der Zeit zu "Events", aus der Volksmusik wurde Schlager und im TV werden US-Formate einfach kopiert.

Sicher, es gibt im Islam durchaus Tendenzen die in Europa nicht nur befremdlich wirken, sondern auch zurecht auf Ablehnung stoßen. Das islamische Sittenbild basiert eben immer noch auf den Vorstellungen der Völker und Stämme, die vor 1400 Jahren im vorderasiatischen Raum lebten. Veränderungen, wie sie beispielsweise das Christentum durchmachte, vermisst man hier leider. Wobei man hier auch die Heterogenität innerhalb des Islams berücksichtigen sollte. Inzwischen gibt es durchaus etwas, was man als "europäischen Islam" bezeichnen könnte – eine offenere, weniger dogmatische Form.

Unterschätzen sollte man die rund 45.000 Mitglieder islamisch-extremistischer Gruppen in Deutschland zwar nicht, doch angesichts dieser kleinen Minderheit eine ganze Religionsgemeinschaft zu verteufeln, kann auch nicht Sinn der Sache sein. Außer man möchte noch mehr Muslime in die Fänge dieser Gruppierungen treiben. Doch die islamischen Gemeinschaften sind ebenfalls dazu aufgerufen, sich gegen die Radikalisierung ihrer Mitglieder einzusetzen.

Fakt ist jedoch, dass es viele Menschen gibt, die gewisse Ängste und Vorurteile haben. Sie deswegen pauschal zu verurteilen ist allerdings falsch. Vielmehr sollte man sich auch auf der politischen Ebene damit intensiv auseinandersetzen. Denn wenn die Menschen in einem Bundesland mit kaum Ausländern gegen die "Islamisierung" auf die Straße gehen und darauf angesprochen antworten, dass sie "Zustände wie in Nordrhein-Westfalen oder Berlin" nicht haben wollen, hat das auch einen Grund. Denn in Sachen Integrationspolitik hat Deutschland auf voller Länge versagt.

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12 KOMMENTARE

  1. Also mit dem "Argument" Geburtenrate hat sich der Autor ja sowas von ins Aus geschossen! Welche Bevölkerungsschicht der Deutschen hat nochmal die höchste Geburtenrate? Ach ja richtig, das ist die Zielgruppe des RTL Nachmittagsprogramms.
     

    • Nun, die unteren sozialen Schichten mögen insgesamt eine leicht höhere Geburtenrate als der Durchschnitt haben, allerdings belegen Studien, dass die muslimische Bevölkerung im Schnitt eine höhere Kinderzahl aufweist. Wenngleich auch mit sinkender Tendenz.

      • . also ich seh die Demos in meiner Heimatstadt Dresden zwar auch mit etwas gemischten Gefühlen aber das Beispiel/Argument Geburtenrate zieht glaube ich gerade in Dresden (seit Jahren geburtenreichste Stadt in Deutschland) ja wohl gar nicht….sprich diesen Vorwurf kann man uns Dresdnern nicht machen.

         

          • Wieso langfristig notwendig? Angesichts der viel zu dichten Besiedlung unseres Landes und der knapper werdenden Ressourcen wäre eine schrumpfende Bevölkerung höchst wünschenswert. Der Arbeitsmarkt gibt schon heute keine ausreichende Zahl existenzsichernder Beschäftigungsverhältnisse her und wird durch Produktivitätszuwachs und rasant fortschreitender Automatisierung in Zukunft noch weit enger. Noch krasser sind die Folgen einer immer intensiveren Nutzung unserer Lebensgrundlagen. Daher sehe ich nicht ein, was gegen eine in Maßen schrumpfende Bevölkerungszahl einzuwenden ist.

    • mmh guter bericht!

      die die hier hetzen sollten sich mal fragen warum wir so viel flüchtlinge haben 😉

      woher kommt das wort flüchtling?

      wer macht sein geld mit der armut anderer länder?

      mfg

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