Schon im Jahr 2008 folgte auf den massiven Preisverfall von Erdöl ein Finanzcrash. Inzwischen beginnen schon die Börsen in Saudi-Arabien und Dubai in den freien Fall überzugehen. Verwerfungen auf den US-Finanzmärkten dürften angesichts der via Anleihen umgesetzten Finanzierung von Fracking-Unternehmen bald schon folgen.

Von Marco Maier

Niemand mag die sogenannten "Crash-Propheten". Allzuoft schon wurden Crashs prognostiziert, die dann doch nicht eintraten, weil es durchaus starke Selbsterhaltungskräfte im globalen Finanzsystem gibt. Dennoch darf man die aktuellen Warnsignale nicht überhören. Die globale Wirtschaft hängt nämlich nach wie vor am Tropf des Erdöls. Ein niedriger Preis kann zwar vor allem in den energieintensiven Sektoren Wachstumsimpulse auslösen, doch ob dies ausreicht um die Beben an den Finanzmärkten abzufedern, ist ungewiss. Andererseits verheißen sehr niedrige Ölpreise auch eine lahmende Weltkonjunktur, da die Nachfrage deutlich unter dem Angebot liegt.

Zerohedge-Saudi-ArabienFakt ist, dass sich insbesondere die US-Fracking-Industrie massiv auf den Kapitalmärkten verschuldet hat. Der aktuell äußerst niedrige Ölpreis sorgt jedoch dafür, dass viele dieser Unternehmen in die Verlustzone abrutschen. Auch die Börse in Saudi-Arabien kämpft mit dem Ölpreisverfall. Von den anderen Ölförderstaaten ganz zu schweigen. Das Problem hierbei: durch die aufgeblähten Finanzmärkte wirkt sich dies deutlich stärker auf die Realwirtschaft aus als es noch vor wenigen Jahrzehnten der Fall gewesen wäre.

Derzeit ist der Energiesektor in den USA für rund ein Drittel sämtlicher S&P 500 Investitionen verantwortlich. Gleichzeitig machen die Papiere der Energieunternehmen bis zu 20 Prozent der gesamten Junk-Bonds in den USA aus. Geraten da die ersten Firmen in die Zahlungsunfähigkeit, könnte dies – wie schon 2008 bei den Immobilien – zu einer Kettenreaktion führen und die ganze Branche in den Abgrund ziehen.

Noch halten sich die meisten Leitbörsen recht gut. Doch angesichts des wirtschaftlichen und finanziellen Gewichts der Energiekonzerne könnte die Party schneller vorbei sein als es den meisten Investoren lieb ist. Denn wie schon kurz vor Ausbruch der Krise 2008 wird der Zinsabstand zwischen Staatsanleihen und den Zinsen für die Junk-Bonds immer größer. Doch der Versuch, das Aussteige-Risiko von Investoren mittels hoher Zinssätze zu reduzieren, verstärkt den Kostendruck noch weiter.

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