Das griechische Parlament billigte einen Staatshaushalt, der aller Wahrscheinlichkeit nach durchwegs auf Phantasiezahlen beruht. Die Kontrolleure der Europäischen Union, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) gehen von anderen Zahlen als jenen aus, die Athen kolportierte. Innenpolitische Querelen könnten zudem für eine weitere Destabilisierung sorgen.

Von Marco Maier

In Sachen täuschen und tricksen waren die Griechen immer schon gut. Was während des trojanischen Krieges das sagenumwobene Trojanische Pferd war, stellt heute im übertragenen Sinne Griechenland selbst als Teil der Eurozone dar. Nur mit manipulierten Zahlen und politischem Geschachere war ein Beitritt zur Eurozone möglich. Heute, nur wenige Jahre später, versinkt das ganze Land zunehmend im Chaos.

Kurze Zeit sah es so aus, als ob sich das krisengeplagte Land wieder gefangen hätte. Als die Regierung erstmals seit der Schuldenkrise der Eurozone wieder Staatsanleihen anbot, rissen sich ausländische Anleger um die Schuldscheine. Auch ins Bankensystem des Landes floss wieder frisches Kapital. Globale Konzerne und Hedgefonds bekundeten ernsthaftes Interesse an Vermögenswerten, die im Zuge eines lange verschleppten Privatisierungsprogramms zum Verkauf stehen. Und private Kapitalgesellschaften gingen ebenfalls auf Schnäppchenjagd.

Doch inzwischen ist man zumindest partiell wieder auf dem Boden der Realität angekommen. Lediglich der recht starke Tourismus konnte dafür sorgen, dass die Wirtschaft zumindest den offiziellen Zahlen zufolge im dritten Quartal ein leichtes Plus von 0,7 Prozent aufweist. Doch damit könnte Dank der Privatisierung von Regionalflughäfen bald schon wieder Schluss sein. Das für nächstes Jahr erwartete Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent basiert auf stark übertriebenen Annahmen, so dass damit auch viele Eckpunkte im nationalen Haushalt bei weitem nicht erreicht werden können.

Griechenland ist noch längst nicht über dem Berg. Griechische Banken erlebten im November einen besorgniserregenden Abfluss an Spareinlagen, und Einzelhändler berichten von einem plötzlichen Verkaufseinbruch in den vergangenen Wochen. Die letzten finanziellen Reserven reichen demnach nicht mehr aus um den nötigsten Konsum aufrecht zu erhalten. Zu erwarten, dass es mit dem Binnenkonsum im nächsten Jahr wieder bergauf geht, ist also mehr als utopisch. Vielmehr sollte man sich mit dem Gedanken anfreunden, dass das angeschlagene Land auch im nächsten Jahr auf eine umfangreiche finanzielle Unterstützung durch die Troika angewiesen sein wird.

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Die Troika selbst weiß, dass die Zahlenspielerei Athens auf vielen fiktiven Annahmen beruht. Die notorische Art, sich die wirtschaftlichen und finanziellen Umstände schönzureden, ist nämlich eine allgemeine politische Praxis in Europa. Die Griechen sind da nur etwas dreister als manch andere Regierungen. Und das weiß man eben auch.

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3 thoughts on “Griechische Zahlenspielerei: Niemand glaubt den Haushaltszahlen”

  1. "In Sachen täuschen und tricksen waren die Griechen immer schon gut". Wenn man solche ethnische Vorurteile über andre Völker liest, kann man sich nur wundern, in was für Sachen Deutschland immer schon gut waren. Ein Blick auf die Vergangenheit gibt eine schnelle Antwort.
     

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