Frankreich: Wird 2015 ein weiteres Horrorjahr?

Die Aussichten sind düster. Selbst die grundsätzlich stets zu positiven Prognosen der EU-Kommission zeigen, dass auch im kommenden Jahr Frankreich keine Besserung der Lage zu erwarten hat. Wirtschaftlich und finanziell ist die Situation äußerst desaströs.

Von Marco Maier

Frankreichs Wirtschaft steckt nach wie vor in einer existenziellen Krise. Nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im Frühjahr und einem schwachen Plus in der zweiten Jahreshälfte, kommt im Gesamtjahr wohl lediglich ein Plus von 0,3 Prozent heraus. Für das nächste Jahr wird zwar ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, doch angesichts des miesen globalen Umfelds wird es nicht besser laufen als 2014.

Konnte die Grande Nation bis 2008 noch die Arbeitslosenquote auf 7,8 Prozent reduzieren, so steigt sie seitdem fast unentwegt an. In diesem Jahr erreichte sie bereits die Marke von 11 Prozent. Für nächstes Jahr wird ein Anstieg auf 11,5 Prozent nicht ausgeschlossen. Dabei muss man bedenken, dass die offizielle Arbeitslosenquote nur ein kleiner Teil der Wahrheit ist. Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Erwerbslosen inzwischen längst schon die Marke von 20 Prozent überschritten hat.

Hinzu kommt eine Rekordverschuldung. Im September lag die gesamte Staatsverschuldung bei 2,0315 Billionen Euro. Dies entspricht einer Schuldenquote von 95,2 Prozent der offiziellen Wirtschaftsleistung. Bei einer Steuer- und Abgabenquote von 47,8 Prozent entspricht dies dem Doppelten der jährlichen Staatseinnahmen. Zum Vergleich: die Bundesrepublik hat eine Verschuldungsquote von 78 Prozent des BIP, was bei einer Steuer- und Abgabenquote von 39,5 Prozent in etwa ebenfalls dem Doppelten entspricht.

Allerdings gilt die bundesdeutsche Wirtschaft im Vergleich zu jener Frankreichs als recht robust und auch die Staatsfinanzen selbst sind trotz einiger Schwachstellen summa summarum recht solide. Während die Bundesrepublik sogar auf eine sinkende Schuldenquote hoffen darf, könnte Frankreich im nächsten Jahr sogar an der 100-Prozent-Marke kratzen, weil die sozialistische Regierung den Staatshaushalt trotz der äußerst hohen Staatsquote nicht unter Kontrolle bringt.

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Insgesamt betrachtet sieht es danach aus, als ob die zweitgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union 2015 ein weiteres Horrorjahr erleben dürfte. Gibt es nur eine kleine Erschütterung in der Weltwirtschaft, wäre der Fall in die Rezession quasi schon vorprogrammiert. Von einer hausgemachten Verschärfung der Lage ganz zu schweigen.

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2 Kommentare

  1. Alle positiven Wirtschaftsprognosen zu Frankreich, Italien, Griechenland und Spanien sind nichts als verlogene Schaumschlägereien. Diese Staaten sind pleite. Und wenn Deutschland seine eingegangenen Bürgschaften einlösen muss, dann ist auch die wirtschaftliche "Heldennation" am Ende. Die europäischen Staaten können sich nur noch retten, indem sie den Bankrott anmelden und eine neue Währungsordnung schaffen.

    Unterdessen werden ja schon namhafte Posten in der EU und auch in den einzelnen Staaten, in den Konzernen und Aktionariaten mit angelsächsischen us-treuen Personen besetzt. Da kann man sich ja ausmalen, wer die neue Währungsordnung schaffen wird – nicht die Europäer.

  2. Und dabei hatten die Franzosen den Euro als Glanzleistung gefeiert: frei Schnabulieren beim deutschen Nazi-Volk mit Einverständnis hiesiger Kollaborateure des Albtraum eines großeuropäischen Reiches unter der Hegemonie Frankreichs und seiner südlichen Vasallen.

    Aber dann lief irgendwas schief:

    Frankreich lud alle seine südlichen Vasallen ein, mitzutafeln und es ihnen gleich zu tun.
    Doch nach kurzer Zeit war diesen Agrarstaatlern dies zu wenig (statt mit dem Esel zur mittäglichen Siesta musste der VW-Golf her, statt örtlichem Voodoo-Priester gleich eine ganze Klinik am Ende der Dorfstraße) und sie griffen auf den eh schon dürftig gefüllten Teller des französischen Gastgebers über; so war das nicht gedacht.

    Nun ist das Elend groß, die Fabriken weg und ganze Generationen ins Elend der Arbeitslosigkeit abgedriftet, ohne jede Perspektive auf Änderung, außer, dieses Versailler Nachkriegskonstrukt zu beerdigen und damit auch den Hegemonialanspruch Frankreichs in Europa.

    Zudem werden die Franzosen allmählich wirklich böse auf ihre Polit-Schergen: der Zeitpunkt nähert sich unwiderbringlich, wo sie die alten Instrumente aus der französischen Revolution nicht mehr nur auf ihre Tauglichkeit prüfen, sondern diese wieder wie am Fließband bestücken mit ihren Volkszertretern.

     

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