Momentan greift die Debatte um Erbschaften und die Erbschaftsteuer in Deutschland um sich. Für die einen sind Erbschaften ein feudales Relikt, welches abgeschafft gehört, für die anderen gehört es unabdingbar zum Privateigentum dazu. Fakt ist jedoch, dass Erbschaften die finanzielle Ungleichheit einzementieren.

Von Marco Maier

Manche Argumente stoßen auf großen Zuspruch in der Bevölkerung, obwohl sie der Mehrheit eigentlich mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringen. Die Besteuerung von Erbschaften gehört dazu. In einer Gesellschaft, in der immer größere Teile derselben nicht einmal mehr die Möglichkeit haben, ihren Nachkommen überhaupt etwas Substanzielles zu hinterlassen, gleicht die Besteuerung von Erbschaften immer noch einem Tabu. "Omas Häuschen" wird es für zukünftige Generationen immer seltener zu erben geben.

Sicher, jährlich werden derzeit immerhin zwischen 60 und 300 Milliarden Euro vererbt, doch nur ein kleiner Teil der Menschen profitiert wirklich davon. Millionen von Deutschen wachsen in Hartz-4-Haushalten auf, in denen keine Vermögenswerte gesammelt werden und selbst in vielen Arbeitnehmerhaushalten werden keine Häuser oder Wohnungen mehr vererbt, weil die Mietwohnung vielerorts zum Standard gehört.

Umso mehr verwundert es, dass sich viele Deutsche gegen eine stark progressive Besteuerung von Erbschaften aussprechen. Nach Abzug von Freibeträgen, die den "kleinen Erben" begünstigen, würde ein ausgeprägtes System dazu führen, dass sich die derzeit auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhende Finanzelite von Erben nicht mehr in dem bisherigen Maße davon profitieren könnte.

Sicher, der Einwand, wonach das vererbte Vermögen schon einmal besteuert wurde, trifft zu. Doch die Kapitalkonzentration bei einigen wenigen Menschen führt dazu, dass sich die Ungleichgewichte noch weiter verschärfen. Jeder der Superreichen erhält in einem Jahr einen Vermögenszuwachs, der das Lebenseinkommen von Leuten aus der Mittelschicht bei weitem übersteigt. Die Verteilung von unten nach oben verstärkt sich damit zusehends. Interessante Gedanken und Einblicke finden sich beispielsweise auch in diesem Artikel von Deutschlandradio Kultur.

Bedenken von Unternehmern aus dem Bereich der kleinen- und mittelständischen Unternehmen, wonach eine umfassende Erbschaftsteuer die auch Betriebsvermögen umfasst, den wirtschaftlichen Bestand der betroffenen Unternehmen gefährden würde, müssen hierbei natürlich berücksichtigt werden. Bei großen Aktiengesellschaften ließe sich ja noch eine Bezahlung in Aktien durchführen, die dann vom Staat wieder über eine Verwertungsgesellschaft schrittweise veräußert werden können.

Schlussendlich ist das Thema Erbschaftsteuer auch eine Frage von Gerechtigkeitsempfinden. Ist es gerechter, wenn eine kleine Gruppe von Menschen über Generationen hinweg, infolge des früheren Erfolgs eines Vorfahrens ein so großes Vermögen anhäufen kann – oder wenn jede Generation nach ihrem Ableben nur eine bestimmte Summe an ihre direkten Nachkommen vererben kann und der Rest davon der Allgemeinheit zugute kommt?

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1 KOMMENTAR

  1. Eine Idee:

    Jede Erbschaft die unterhalb des durchschnitlichen Vermögens der Bürger ist sollte Steuerfrei sein. Bezifern wir das Durchsnitsvermögen mit 50%, wenn eine Erbschaft anliegt die  bspw.  mit 60% bezifert wird das mehr an Vermögen von 10% mit 10% besteuert. Liegt eine Erbschaft von bspw. 80% an wir das 30% an mehr Vermögen mit 30% besteuert. Bei 100% würden dan 50% Steuer anfallen.

     

    mfg Klater

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