Türkei Flagge

Alle umwerben die Türkei

Auf den außenpolitischen Machtverlust der letzten Jahre folgt nun ein Wiederanstieg des Ansehens der Türkei. Vor allem geopolitische Gesichtspunkte tragen dazu bei, dass trotz der eigenwilligen Politik Erdogans und seiner AKP das Land am Bosporus wieder in den Fokus der Weltmächte gerät.

Von Marco Maier

An Kritik gegenüber der türkischen Politik mangelte es in den letzten Jahren nicht. Die Entsäkularisierung des Landes durch die islamisch-konservative AKP, die Niederschlagung der Gezi-Park-Proteste und anderer Demonstrationen, die temporären Sperren von Twitter und Youtube, die kaum verhohlenen Sympathien für den "Islamischen Staat" und diverse exzentrische verbale Äußerungen Erdogans und einiger AKP-Granden führten zu einer zunehmenden Distanzierung der politischen und wirtschaftlichen Partner.

Doch die Bekämpfung des Islamischen Staates (IS) durch die "internationale Koalition" ist beispielsweise ohne die Unterstützung durch die Türkei kaum machbar. Hierauf beruhen vor allem die Bemühungen der USA und der NATO. Zudem zeigt sich der Westen wieder verstärkt an der Türkei interessiert, weil Russlands Präsident Wladimir Putin jüngst bei seinem Türkei-Besuch die Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern in Angriff nahm. Hinzu kommt der neue Erdgas-Deal mit der Türkei, nachdem die EU und die USA das South-Stream-Projekt ständig sabotierten. Das schlägt vor allem Washington und Brüssel auf den Magen.

Insbesondere für Washington klingt die Ankündigung, den Handel zwischen Russland und der Türkei zu verdreifachen, beinahe schon wie eine finanzielle Kriegserklärung. Immerhin wollen beide Länder hierbei möglichst auf die Verwendung des US-Dollars verzichten. Die USA, die auf den Dollar als Welthandelswährung angewiesen sind, geraten durch die zunehmende Zahl solcher Geschäfte immer mehr unter Druck.

Nun folgt auch die EU mit einer derart hochrangigen Delegation in Ankara, wie es die Türkei bislang noch nicht gesehen hat. Die Intention dahinter ist klar: Brüssel fürchtet die Unterminierung der Sanktionen gegen Russland. In diesem Wirtschaftskrieg geht es darum, möglichst viele Verbündete zu finden. Immerhin haben sich nur eine Minderheit der Staaten dieser Welt diesen Sanktionen angeschlossen. Was liegt da näher, als sich einem als "autoritär regierend" gescholtenen Staatschef anzubiedern, nur weil man einen anderen "autoritär regierenden" Staatschef in die Pfanne hauen möchte?

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4 Kommentare

  1. Sehr gut. Nun nimmt das oft genug übertriebene Erdogan-Bashing hoffentlich ein Ende!

  2. ….Erdogan möchte ich nicht unbedingt zu meinen Favoriten erklähren…hier ist ihm,und mehr noch Putin,der große Wurf gelungen.

    Wenn die Türkei der große Gasverteiler für Südeuropa wird,dann wird sie auch wieder als EU Beitragskandidat interessant.

    Es freut mich natürlich ungemein,daß die Ukrainischen Nazi`s in die Leere Gas-Röhre schaun.Wenn sie im Winter keinen kalten Arsch bekommen wollen,müssen sie in Vorkasse gehen.D.h. wir ,die EU muß zahlen,ein weiterer Sargnagel für die EU Politik.

     

  3. Ich für meinen Teil muss den Beitritt der Türkei in die EU absolut negieren. Ein Beitritt würde für mich wie eine ausbürgung gleich bedeuten. Türkei weiß jetzt von ihrem wert und wird nicht beitreten. Ich hoffe erdoğan weiß das.

  4. Die Abmachung zwischen Erdogan und Putin sind ein weiterer Sargnagel für die EUSA und könnte/wird das Todeurteil für den Herscher am Bosporus sein.

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