Wer hat Angst vor der Schulden-Implosion?

Die Vermögen der Einen sind die Schulden der Anderen. Angesichts der rund 200 Billionen Euro an Schulden, die diese Welt bislang angehäuft hat, stehen gleichzeitig auch entsprechende Vermögenswerte auf dem Spiel. Das heißt: der Reichtum der Finanzeliten hängt an der Zahlungsfähigkeit der Schuldner. Doch um die ist es schlecht bestellt.

Von Marco Maier

Der drohende Crash der Aktienmärkte ist eine Sache, die für nicht wenige Menschen eine latente finanzielle Gefahr darstellt. Doch was sind schon die knapp 52 Billionen Euro an Aktienkapital gegen die gut 200 Billionen Euro an Krediten und Anleihen? Bei den Aktien weiß man wenigstens, dass mit den Immobilien und Maschinen, sowie unter anderem dem Produktionspotential immerhin noch ein realer Wert vorhanden ist. Doch bei der Zahlungsunfähigkeit von Schuldnern kann man sich nicht darauf verlassen, dass man überhaupt noch etwas von Wert erhält.

Egal ob es sich hierbei um Privatpersonen, Unternehmen oder Staaten handelt – schlussendlich ist es der Geldgeber, der das Hauptrisiko trägt. Privatpersonen können auch ohne große Eigentumswerte leben, Unternehmen Konkurs anmelden und Länder den Staatsbankrott verkünden. Wenn keine Möglichkeit mehr besteht, die laufenden Verpflichtungen zu bedienen, ist das nun mal so.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass durch nicht mehr bediente Schulden entstehende Finanzkrisen völlig normal sind. Dem Zinseszinseffekt ist es nämlich völlig egal, ob man Gewinne oder Verluste schreibt. Und während die Schuldenberge dadurch immer weiter anwachsen und noch mehr Zinsleistungen erfordern, wird der Handlungsspielraum der Schuldner immer weiter eingeengt, bis dann irgendwann der finanzielle Kollaps kommt.

Man muss sich nur einmal die laufenden Kosten für den Schuldendienst der Staaten ansehen: kaum einer der hoch verschuldeten Industriestaaten kommt mit weniger als 10 bis 15 Prozent seiner Steuereinnahmen davon, wenn es um die Bedienung der Gläubiger geht. Und angesichts der wachsenden Schuldenberge, sowie der immer wieder sinkenden Bonität (samt damit zusammenhängend steigender Zinssätze), zeigt dieser Anteil eine stets steigende Tendenz. Wenn der Schuldendienst – wie zum Beispiel in Griechenland – nur noch mit neuen Schulden finanzierbar ist und selbst der Primärhaushalt ein Defizit aufweist, wird ein Staatsbankrott unumgänglich.

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Aber auch insgesamt zeigt sich ein bedrohliches Bild: die gesamte Welt ist mit etwa 350 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung verschuldet. Doch während die Weltwirtschaft jährlich um vielleicht 2 oder 3 Prozent wächst, wächst der globale Schuldenberg jedes Jahr um etwa 10 Prozent. Das heißt: heute müssen aus den 58 Billionen Euro, die weltweit erwirtschaftet werden, die Zinsen und die Rückzahlungen für die etwa 200 Billionen Euro an Schulden geleistet werden. In 10 Jahren würden den – im günstigen Fall – 78 Billionen Euro Weltsozialprodukt bei einer gleichbleibenden Entwicklung gar 520 Billionen Euro an Schulden gegenüberstehen. Das sind 667 Prozent der Wirtschaftsleistung!

Angesichts solcher Zahlen wird klar, dass das Wirtschafts- und Finanzsystem welches wir heute kennen, langfristig gar nicht mehr überlebensfähig ist. Zumindest dann, wenn wir weiterhin auf die umfangreiche Verschuldung als Grundlage zur Schaffung von neuem Eigentum bauen. Sicher, Kredite für unternehmerische Investitionen können durchaus sinnvoll sein, wenn die dadurch zu erwartenden Erträge die zusätzlichen Kosten überwiegen – doch das aktuelle Ausmaß der Verschuldung zeigt, dass es sich hierbei nicht nur um Investitionskapital im eigentlichen Sinne handelt. Ein Blick auf die "Margin debts" zeigt, dass ein nicht unerheblicher Teil der Kredite auch nur rein spekulativ veranlagt wird.

Doch da die Schulden auf der einen Seite auch Vermögenswerte auf der anderen Seite darstellen, wird ein solcher Schuldenkollaps vor allem dazu führen, dass viele der heutigen Millionäre und Milliardäre sehr empfindliche Verluste hinnehmen werden müssen. Jene die wirklich Angst vor diesem Tag haben sollten, sind dann nicht die normalen Menschen, die ohnehin kaum finanzielle Vermögenswerte besitzen, sondern schlussendlich die Superreichen dieser Erde.

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3 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Maier, da denken Sie aber reichlich zu kurz, denn die Menschen, die zu den Eliten eines jeden Landes gehören, haben einen großen Teil des Geldes z. B. in Edelmetallen, Aktien und Ländereien angelegt; vorzugsweise im Ausland.  Wenn es bei uns (in Europa) richtig kracht, sitzen die Eliten schon auf ihrer Jacht in der Südsee. Natürlich verlieren auch diese Eliten eine Menge Geld, aber was interessiert das diese Leute, wenn der Goldpreis, die Aktien und die Ländereien um dann vielleicht  80% abschmieren; sie steigen auch wieder. Gelackmeiert ist "der kleine Mann" dessen Lebensversicherung, Sparbuch, Rücklagen der Krankenversicherungen, Pensionsrücklagen usw. auch um 80% oder ganz abschmieren. Wo sind denn die  etwa  5 Billionen von den Sparbüchern und die Jahrzehnte Zahlungen in Versicherungen gleich welcher Art? Gold, Aktien und Ländereien werden wieder steigen und keiner der Eliten muss (in dieser Zeit)  auf seinen Schampus, Kaviar  und Dienstmädchen verzichten. Der "kleine Mann" darf dann bis ins hohe Alter bis zum umfallen arbeiten, denn außer die umlagefinanzierten Rentenansprüche ist ihm dann nichts geblieben. Und das Kapital der Eliten wird so lange nicht wieder in die Wirtschaft eines Landes zurückinvestiert, wie es Unruhen in diesem Land gibt. Also "kleiner Mann" Dein Geld wird weg sein und die Eliten haben weniger, aber immer noch mehr, als Du in Deinem ganzen leben verdienen könntest, auch nicht wenn Du bei Christi Geburt schon angefangen wärst zu Arbeiten.

    Macht es wie die Eliten, lege Dir wenigstens ein paar Goldmünzen auf die Seite, denn die Eilten wissen, dass man für Gold seit mehr als 4000 Jahren immer etwa kaufen konnte. Für eine Unze gab es immer 200 bis 400 Brote, oder 25 Flaschen Schampus in der Südsee.

    Und das Dienstmädchen wird froh sein, wenn es für eine Unze Gold einige Monate arbeiten darf.

    Hat sich alles beruhigt und die Menschen haben sich in ihr Schicksal ergeben, dann drehen sie Euch wieder das neue Papiergeld an und alles geht wieder von vorne los.

    Viele Grüße H. J. Weber

  2. Da kann ich mich nur anschließen, sehr schön beschrieben Herr Weber.

    So funktioniert es mit der Umverteilung von unten nach oben und mir ist das auch vom Prinzip her klar.

    Was mich aber immer wieder in erstaunen versetzt ist, dass die Märkte ( Goldpreis ) nicht erwartungsgemäß reagieren.

    Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien aber das ist vielleicht auch zu gutgläubig.

    Grüße vom Michel

     

     

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