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US-Studie: TTIP kann bis zu 124.000 Arbeitsplätze in Deutschland vernichten

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Anti-TTIP-Demo in London. Bild: Flickr / World Development Movement CC-BY 2.0

Während sich die Spitzenpolitiker und Konzern-Lobbyabteilungen nicht nehmen lassen, stets auf die möglichen positiven Auswirkungen hinzuweisen, sorgt eine neue Studie für völlig gegenteilige Ergebnisse. Grund dafür ist eine realistischere Berechnungsweise – und die verheißt nichts Gutes.

Von Marco Maier

Wer mit guten und optimistischen Basiswerten arbeitet, wird auch entsprechend positive Prognosen erhalten. Genau das haben die EU-Granden gemacht, als sie mit Hilfe eines statischen Modells die Auswirkungen des transatlantischen Freihandelsabkommens berechnen ließen. Die Berechnungen der Tufts-Universität in Boston beruhen hingegen auf dem "Global Policy Model" der Vereinten Nationen, welches speziell für alternative Szenarien in der Wirtschafts- und Handelspolitik entwickelt wurde. Dabei werden sogenannte Spill-over-Effekte, also Wechselwirkungen, berücksichtigt.

In der statischen EU-Studie hieß es, dass die europäische Wirtschaft um 0,5 Prozent stärker wachsen und eine Durchschnittsfamilie 454 Euro im Jahr mehr verdienen würde. Das erinnert stark an den sogenannten "Ederer-Tausender", mit dem die Österreicher für den EU-Beitritt des Landes geködert werden sollten. Die damalige sozialdemokratische EU-Staatssekretärin Brigitte Ederer versprach damals, dass eine durchschnittliche vierköpfige Familie nach dem Beitritt Österreichs 1.000 Schilling (ca. 72 Euro) im Jahr einsparen könne.

Die Bostoner Studie hingegen hat berechnet, dass eine durchschnittliche Familie in Deutschland infolge des Freihandelsabkommens 3.400 Euro im Jahr weniger zur Verfügung haben könnte. Deutlich stärker treffen würde es jedoch die Franzosen (5.500 Euro), Skandinavier (4.800 Euro) und Briten (4.400 Euro). Damit würden wohl nicht wenige Familien direkt in die Armut abrutschen. Gerade in Krisenzeiten ist der Versuch, das Wirtschaftswachstum mit einer Ausweitung des internationalen Handels zu bekämpfen, pures Gift. Denn, so die US-Forscher, die Zunahme des Außenhandels würde nur die Rahmenbedingungen verschärfen und den Druck auf die Löhne noch weiter verstärken.

Grund für die Diskrepanzen sind demnach neben den Berechnungsmethoden auch die grundlegenden Annahmen. So geht die EU-Kommission davon aus, dass es ohnehin zu einem Wirtschaftsaufschwung in der europäischen Staatengemeinschaft kommen würde. Inzwischen legen die jüngsten Prognosen jedoch nahe, dass wir in Europa noch länger mit massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu rechnen haben. Die Amerikaner hingegen gehen davon aus, dass das Wachstum sowohl in den USA als auch in der EU weiterhin verhalten bleibt und der europäische Austeritätskurs beibehalten wird.

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3 KOMMENTARE

  1. 124.000 Arbeitsplätze gehen verloren, aber unsere verlogenen politiker reden von mehreren hunderttausend neuen Arbeitsplätzen. bei Fracking passiert nichts, und das TTIP bringt ja nur Vorteile, gell? wie hoch war das bestechungsgeld, dass so viele Politiker soviel lügen und dafür sind?

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