Wie der US-Nachrichtendienst Bloomberg mitteilte, will Brasilien ein eigenes unterseeisches Fieberglaskabel nach Portugal verlegen lassen. US-Unternehmen sind von der Beteiligung am Bau ausgeschlossen. Grund dafür: die NSA.

Von Marco Maier

Ganze 185 Millionen Dollar will Brasilien in eine Fieberglasleitung nach Europa investieren, um damit nicht mehr so leicht von den US-Geheimdiensten und deren Verbündeten belauscht zu werden. Dabei soll keine US-Technologie verwendet und kein US-Unternehmen in die Verlegung involviert werden. Beaufsichtigt werden soll das Ganze vom staatlichen Telekommunikationsunternehmen Telecomunicacoes Brasileiras SA, welches unter dem Namen Telebras bekannt ist.

Obwohl zu den Zulieferern von Telebras auch US-Unternehmen gehören, sagte dessen Präsident Francisco Ziober Filho in einem Interview, dass der Bau des Kabelprojekts auch ohne die Hilfe von US-Firmen möglich sei. Grund für den Ausschluss von US-Unternehmen ist der durch den Whistleblower Edward Snowden ausgelöste Abhörskandal. Brasilien, welches im Rahmen der BRICS-Staaten an einem großangelegten IT-Projekt teilnimmt, äußerte schon im vergangenen Jahr heftige Kritik an der Bespitzelung von Staatspräsidentin Dilma Rousseff.

"Die Frage nach der Integrität und Verletzlichkeit der Daten ist immer ein Problem für Telekommunikationsunternehmen", sagte Ziober. Angesichts der von Snowden angesprochenen Sicherheitslücken habe das Unternehmen schon damit begonnen, diese möglichst umfassend zu schließen. Möglich wäre es auch, dass brasilianische Unternehmen (wie auch jene der anderen am oben genannten am IT-Projekt teilnehmenden Länder) im Laufe der nächsten Jahre schrittweise US-Technologie gegen jene aus den BRICS-Ländern austauschen. Für die US-Unternehmen wäre dies ein herber Schlag, zumal auch andere Staaten auf diesen Zug aufspringen könnten.

Angesichts der gewaltigen Summen, die insbesondere die Schwellenländer in die Informationstechnologie investieren, zeigen sich die US-Technologiefirmen zunehmend beunruhigt über die Datensammelwut der eigenen Geheimdienste. Immerhin kostet die permanente Verunsicherung der Kunden wohl bald schon Marktanteile und somit auch potentielle Einnahmen. Allein in diesem Jahr belaufen sich die Tech-Investitionen der Schwellenländer auf 670 Milliarden Dollar – ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wegen der Zweifel an der Sicherheit von US-Technologie erwarten die Unternehmen allein bis 2016 schon einen Umsatzverlust von 35 Milliarden Dollar.

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In einer Grafik (hier) zeigt Bloomberg den Verlauf der bisher existierenden Seekabel, sowie den geplanten Verlauf des 3.500 Kilometer langen Kabels vom brasilianischen Fortaleza zur portugiesischen Hauptstadt Lissabon.

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