Armut ist auch im angeblich reichen Deutschland längst schon Normalität geworden. Der SchuldnerAtlas 2014 verdeutlicht das Systemversagen in einem Bild, welches schon der deutsche Gini-Koeffizient von 0,78 verdeutlicht.

Von Marco Maier

SchuldnerAtlas2014Der SchuldnerAtlas 2014, der von CreditReform, Boniversum und micron veröffentlicht wurde, zeigt ein düsteres Bild der deutschen Realität. Während einige wenige Menschen kaum mehr wissen, was sie mit ihrem Vermögen noch anstellen sollen, sind 6,7 Millionen Menschen in Deutschland so hoch verschuldet, dass es für sie kaum mehr einen Ausweg aus der Misere gibt. Die Schuldnerquote ist zwar nur leicht von 9,81 Prozent auf 9,90 Prozent aller Deutschen über 18 Jahre gestiegen, aber das sind immerhin ganze 90.000 Personen oder 1,4 Prozent mehr als noch im Jahr 2006.

Doch die Gründe dafür, warum so viele Menschen in den finanziellen Abgrund stürzen sind vielfältig. Die wichtigsten Ursachen für eine Überschuldung sind an erster Stelle Arbeitslosigkeit, gefolgt von Scheidung oderTrennung, unwirtschaftlicher Haushaltsführung und Krankheit, sowie gescheiterte Selbstständigkeit.

Die Männer treibt es der Studie zufolge häufiger in die Schulden: sie verschulden sich mit durchschnittlich 36.500 Euro auch stärker als die Frauen (28.100 Euro). Aber die Frauen holen inzwischen auf. Nun sind 2,56 Millionen überschuldet, 48.000 mehr als 2013. Bei den Männern sind es aktuell 4,12 Millionen, 41.000 mehr.

Zwar nimmt also die Zahl der Schuldner zu, doch die Schuldenhöhe ist von 36.900 Euro im Jahr 2006 auf 32.600 in diesem Jahr gesunken. Die Gesamtschuldenhöhe beträgt 217,8 Milliarden Euro. Bei den Über-70-Jährigen fällt die Überschuldung mit 134.000 Fällen noch "relativ gering" aus, schreibt Creditreform. Die haben allerdings auch in der Regel noch bessere Renten als die nachkommenden Generationen. Gegenüber 2013 ist jedoch auch ein großer Anstieg von mehr als 20 Prozent zu verzeichnen. Die Zahl der verschuldeten jungen Menschen unter 29 Jahren ist hingegen gegenüber 2013 um 45.000 auf 1,75 Millionen gesunken, betrachtet man jedoch den Zeitraum von 2004 bis 2014, in dem die Zahl der Überschuldeten um 68 Prozent gewachsen ist, dann handelt es sich wahrscheinlich nur um einen vorübergehenden Rückgang.

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Den Zahlen nach sind etwa 15 Prozent (ca. 1,1 Millionen) der 7,25 Millionen Bezieher der sozialen Mindestsicherung überschuldet. Wer hier gefangen ist, gibt seine Situation und vielleicht auch sein Verhalten an die Kinder weiter, was man im Branchenjargon "generationsübergreifende Überschuldung" nennt. Nach der Einschätzung von befragten Sozialämtern und Schuldnerberatungsstellen geht man dort davon aus, dass diese in den letzten Jahren zugenommen hat. Die Creditreform geht wohl realistisch davon aus, dass mit der derzeit schwächelnden Wirtschaft auch die Arbeitslosigkeit wieder anziehen und damit auch die Überschuldung der Menschen noch stärker wachsen wird. Für den Anstieg wird auch eine "Erosion der Sparkultur", inklusive mangelnder Altersvorsorge, verantwortlich gemacht. Die Zahl der Armen wird demnach sicher noch weiter steigen.

Insgesamt betrachtet muss man natürlich auch anmerken, dass neben den oben genannten Hauptgründen für die zunehmende Verschuldung auch die schwache Entwicklung der Einkommen als Mitursache herangezogen werden muss. Fakt ist: seit den 1990er Jahren gab es so gut wie keine realen Einkommenszuwächse mehr. Berücksichtigt man den Umstand, dass die offizielle Inflationsrate ohnehin schöngerechnet ist, muss man sogar davon ausgehen, dass die Arbeitnehmer in den letzten Jahren reale Einbußen bei den Einkommen zu verkraften hatten. Ergo: am Ende des Geldes bleibt für viele Menschen inzwischen immer mehr Monat übrig.

Bedenkt man, dass im Jahr 2012 rund 20 Prozent der Menschen in Deutschland über gar kein Vermögen verfügten und 7 Prozent mehr Schulden als Guthatben, wird das Dilemma erst wirklich ersichtlich. Da dies vor allem jene Menschen betrifft, die ohnehin über ein niedriges Einkommen verfügen, wirkt sich der Umstand der sinkenden Reallöhne für sie noch einmal schlechter aus. Sie sind de facto dazu gezwungen, sich zur Bestreitung des normalen Lebensunterhalts laufend zu verschulden. Doch das kann keine dauerhafte Lösung sein.

So lange das Wirtschafts- und Finanzsystem Kapitalbesitz stärker belohnt als persönliche (oder gemeinsame) Schaffenskraft, wird sich diese Spirale jedoch noch weiter drehen, bis das Ganze an einem Punkt kommt, an dem nur noch der Kollaps möglich ist. Eine Gesellschaft die vom Konsum der Masse lebt, dieser Masse jedoch immer weniger zum Leben übrig lässt, muss irgendwann an einen kritischen Punkt gelangen.

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2 thoughts on “SchuldnerAtlas 2014: 6,7 Millionen Deutsche in der Schuldenfalle”

  1. ….ich rate zur Privatinsolvens…..aber nicht in Deutschland sondern in Frankreich oder England beantragen…..laut Rechtssprechung ist das möglich….und die sogenannte Wohlverhaltungsphase dauert nur ein Jahr….bei uns sind es 6 Jahre….

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