Im Ölkartell OPEC geht es rund. Viele Mitgliedsstaaten geraten angesichts des stark gesunkenen Ölpreises finanziell unter Druck. Saudi-Arabien kann es sich angesichts der niedrigen Förderkosten leisten, einige Monate lang den Preis zu drücken. Nun wachsen jedoch die Spannungen innerhalb des Kartells.

Von Marco Maier

Ein dauerhaft niedriger Ölpreis mag zwar die Verbraucher freuen, doch viele Ölkonzerne kämpfen dadurch nicht nur mit sinkenden Renditen, sondern bei immer mehr Ölfeldern auch mit Verlusten. Insbesondere Fracking und Bohrungen in der Tiefsee werden dadurch unrentabel. Ging es anfangs vor allem noch darum, infolge des Überangebots an Erdöl Russland, Venezuela und dem Iran zu schaden, macht sich nun auch in den USA und anderen OPEC-Staaten langsam eine gewisse Unruhe breit. Für die US-Ölkonzerne gibt es zwar weiterhin Subventionen (24 Milliarden Dollar in der nächsten Dekade), doch ob das ausreichen wird, ist eine andere Frage.

Während Saudi-Arabien es offensichtlich darauf anlegt, die Konkurrenz von US-amerikanischem Schieferöl durch Preise unter den dortigen Produktionskosten auszuschalten, steht anderen Mitgliedern der OPEC das Wasser längst schon bis zum Hals. Venezuela, das einen Großteil seiner Währungsreserven zur Stützung der Währung verpulvert hat,steht knapp vor der Pleite. Da geht es längst nicht mehr um einen ausgeglichenen Staatshaushalt – dafür würde Venezuela nach einer Analyse der Deutschen Bank einen Ölpreis über 162 Dollar je Barrel benötigen – sondern schlichtwegs um die Zahlungsfähigkeit: Jeder Dollar, den Öl billiger wird, bringt Venezuela Mindereinnahmen von 700 Millionen Dollar pro Jahr.

Auch für Ecuador ist der niedrige Ölpreis ein "sehr ernstes" Problem, wie das ecuadorianische Finanzministerium schon vor zwei Wochen zugab. Bei einem Ölpreis zwischen 80 und 84 Dollar klafft im nationalen Haushalt ein Loch von etwa fünf bis sechs Prozent der Wirtschaftsleistung. Nigeria bräuchte für einen ausgeglichenen Haushalt ganze 126 Dollar pro Fass. Der anhaltende Preisverfall sorgt jedoch dafür, dass der bevölkerungsreichste Staat Afrikas bald schon keine Währungsreserven mehr hat. Gerade einmal 38,3 Milliarden Dollar hat das afrikanische Land noch gebunkert.

Keine Reserven mehr hat auch Libyen, welches durch die Wiederaufnahme seiner Ölproduktion im Juni den allgemeinen Preisrutsch mit ausgelöst hatte. Seither wurde die Produktion zwar vervierfacht, macht aber immer noch erst ein Drittel dessen aus, was vor dem Sturz Muammar Gadaffis 2011 der Normalfall war. Libyen plädiert für eine Reduktion der gemeinsamen OPEC-Förderung, um den Preisverfall aufzuhalten.

Loading...

Den Saudis ist das egal. Zwar brauchen sie für einen ausgeglichenen Staatshaushalt nach IWF-Berechnungen auch einen Ölpreis von 84 Dollar je Barrel, allerdings sitzen die Saudis auf Währungsreserven von 745 Milliarden Dollar und können einen niedrigen Preis entsprechend lange aussitzen – zumal sie mit einer Staatsverschuldung von gerade einmal 12,2 Prozent des BIP mehr oder weniger unbegrenzt kreditfähig sind.

Es gebe "keinen Spielraum" für eine Senkung der OPEC-Produktion, ließ der kuwaitische Ölminister Ali Al-Omair verlauten, außerdem seien die Planungen Kuwaits nicht beeinträchtigt, solange der Ölpreis über 75 Dollar bleibe. Auch Katar, das nach Angaben der staatlichen Ölgesellschaft Qatar Petroleum International die niedrigsten Produktionskosten weltweit hat, sieht keinen Grund nachzugeben. Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) können selbst bei den aktuell niedrigen Preisen noch ausgeglichene Budgets darstellen.

Der Irak würde zwar angesichts der hohen laufenden Kosten für den Wiederaufbau und den Krieg gegen die IS-Milizen einen Preis von 100 Dollar pro Fass brauchen, dennoch stellt sich die irakische Regierung demonstrativ auf die Seite Saudi-Arabiens – und will den USA ebenfalls massive Rabatte anbieten um nicht vom Markt gedrängt zu werden. Laut Bloomberg soll der angepeilte Preisrahmen in etwa bei 65-70 Dollar liegen. Ein Preis, den die US-Schieferöl-Produzenten trotz massiver Preissenkungen nicht lange verkraften werden können.

Saudi-Arabiens Ölminister Ali Al-Naimi scheint jedenfalls denn bisherigen Kurs weiterhin fahren zu wollen: "Das Gerede über einen Preiskrieg", sagte er am vergangenen Mittwoch in Mexiko, als er erstmals seit zwei Monaten wieder von Journalisten gestellt wurde, "ist – absichtlich oder nicht – ein Missverständnis und hat keine reale Basis." Denn, so der Ölminister weiter: "Saudi-Arabien setzt nicht den Ölpreis fest, das tut der Markt." Die saudische Öl-Politik sei seit Jahrzehnten konstant und habe sich auch jetzt nicht geändert: "Wir wollen stabile Ölmärkte und stabile Preis – denn das ist gut für Produzenten, Konsumenten und Investoren."

Doch zwischenzeitlich kann Riad damit vor allem den politischen Gegnern an den Karren fahren. Insbesondere dem Iran und Russland, die nach wie vor auf Assads Seite stehen, aber auch den USA, mit denen sie eine Art Hassliebe verbindet. Indessen freut sich vor allem die Volksrepublik China über die fallenden Ölpreise und kauft fleißig auf. Damit will das Reich der Mitte vor allem die strategischen Ölreserven auffüllen. Schätzungen zufolge hat China bereits etwa 87 Milliarden Barrel Öl für die Reserven aufgekauft und könnte sich mit nocheinmal mindestens 20 Milliarden Barrel eindecken. Damit sorgen wenigstens sie für eine leichte Stabilisierung der Preise.

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

One thought on “Saudi-Ölminister: „Den Ölpreis machen nicht wir, das tut der Markt.“”

  1. Zwei Aussagen die sich ähneln:

    Den Ölpreis machen nicht wir, das tut der Markt.
    Die Geschenke sind nicht von uns, die bringt das Christkind.

    😉 😉 😉

    Aber es gibt Leute die glauben die Geschichte vom „Markt“
    Ehrlich!

    Wie so oft, ein guter Artikel zur rechten Zeit. Merci.

    Gruß aus Bremen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.