Als ob Zinsmanipulationen und Devisenskandale noch nicht genug wären, üben sich die großen US-Banken auch noch ordentlich in Rohstoffspekulationen. Der US-Senat wirft den Wall-Street-Banken vor, aufgrund ihrer Größe und Marktmacht die Preise an den Rohstoffmärkten beeinflussen würden. Hinzu kommen große systemische Risiken in den volatilen Märkten.

Von Marco Maier

Die nunmehr zweijährige Untersuchung des US-Senats, ist die bisher gründlichste zu der Frage, wie Banken wie Goldman Sachs, JP Morgan Chase und Morgan Stanley große Aluminium-, Kupfer-, Öl- und andere Rohstoffvorräte aufbauen konnten. Laut dem vorliegenden Bericht überschritten Banken häufig die gesetzlichen Grenzen für physische Rohstoffvorräte. Außerdem sollen Banken weit von ihrem traditionellen Geschäftsmodell abgekommen sein, um mit Rohstoffen zu spekulieren – eine Praxis, die nicht nur finanzielle, sondern auch juristische Risiken für die Banken birgt.

Dies setzt auch die US-Notenbank unter Druck, da sie in der Pflicht steht, die Rolle der großen Banken im Rohstoff-Geschäft einzuschränken. Die in dem Bericht genannten Banken Banken erklären allesamt, dass sie die Risiken ihrer Handelsaktivitäten angemessen absichern und ihre Rohstoffsparten nicht dazu nutzten, sich unlautere Vorteile zu verschaffen. Doch angesichts der ganzen Vorfälle der jüngsten Zeit ist es um die Glaubwürdigkeit der Institute nicht gerade gut bestellt. Alle drei Finanzinstitute reduzierten jedoch ihre Rohstoffvorräte aufgrund der Ermittlungen des Kongresses und der Aufsichtsbehörden.

An der Aufgabe, die Banken bei den Spekulationsgeschäften zu beschränken, wurde von der Notenbank jedoch nur unzulänglich wahrgenommen. Die Fed setzt die Grenze für Rohstoffe bei fünf Prozent des hochwertigen Kapitals einer Bank fest, jedoch nutzten die Institute Schlupflöcher, um deutlich mehr Rohstoffe zu kaufen, heißt es in dem Bericht. Zeitweise wusste die Fed einfach gar nicht, wie viel Öl, Aluminium und Kupfer die Banken bunkerten.

So stellten die Ermittler fest, dass sich JP Morgan über die Grenzen für Kupfer hinwegsetzte, indem die Bank es als Edelmetall definierte, obwohl es vor allem industriell genutzt wird. Aluminiumvorräte wurden bei einer Tochterfirma untergebracht, um sie zu verstecken. Morgan Stanley verfügte über 55 Millionen Barrel Ölspeicherkapazität, genug, um fast drei Tage lang den US-Verbrauch zu decken. Goldman Sachs soll laut dem Bericht Aluminium hin- und hergeschoben haben, um sich finanziell zu bereichern.

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"Wir haben starke Beweise dafür gefunden, dass diese Aktivitäten große Banken katastrophalen Risiken aussetzen, die wir zuvor nicht richtig durchschaut hatten", sagt Senator Carl Levin aus Michigan, der die zweitägige Anhörung zu dem Bericht leiten wird. Manager von Goldman, JP Morgan und Morgan Stanley dürften ebenfalls aussagen. "Sie steigern die Kosten und Risiken für Endnutzer der Rohstoffe, was amerikanischen Unternehmen und Verbrauchern schadet", sagt Levin laut dem Wall Street Journal.

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One thought on “Rohstoff-Spekulationen: US-Banken auf der Anklagebank”

  1. Diese Machenschaften kannte die US-Oberschicht schon lange und hat prächtig davon profitiert. Nun, da die globalen Finanz- und Wirtschaftsstrukturen von einem unübersehbar herannahenden ökonomischen Tsunami bedroht sind, melden sich die Herrschaften als rettende Korrektoren in den Medien zu Wort. Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man sich darüber krumm lachen.

    Die Banken müssen einmal mehr Milliarden Bussen entrichten, um den faulen US-Staat am Leben zu halten. Gar nichts anderes steht dahinter. Bezahlen muss das die globale Wirtschaft, die unteren Bevölkerungsschichten verarmen weiter, die Oberschichten profitieren davon ein weiteres Mal, bis dann schlussendlich alles zusammenbricht. Es gibt kein Entrinnen aus diesem Wirtschaftschaos und seinen Folgen. Die aber werden fürchterlich werden – und zwar für alle, auch wenn das die Privilegierten noch nicht begreifen wollen.

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