Mediale Meinungsbildung: Nicht die Artikel, die Kommentare und Diskussionen sind es, die zählen

Immer mehr journalistische Angebote schränken die Kommentarfunktionen ein oder schaffen sie gleich ganz ab. Dabei stellt insbesondere die jeweilige Community in ihrer personellen Vielfalt das wirklich meinungsbildende Instrument dar.

Von Marco Maier

Journalisten stellen sich gerne als Meinungsmacher und -bildner dar. Reportagen, Berichte und Nachrichten wurden den Menschen über viele Jahrzehnte in den Zeitungen und Magazinen, sowie den Radio- und TV-Sendungen einfach nur vorgesetzt, so dass sich die Leser, Zuhörer und Zuschauer nur in einem sehr engen Rahmen (Leserbriefe und Diskussionssendungen mit telefonischer Beteiligung der Medienkonsumenten) daran beteiligen konnten.

Doch dann kam das Internet. Über die Kommentarfunktionen der Medien-Webseiten wurden die Journalisten plötzlich direkt mit der Meinung der Medienkonsumenten konfrontiert. Teils rege Diskussionen unterhalb der Artikel sorgten dafür, dass sich eine immer größer werdende Nutzerschar über die jeweiligen Themen unterhielten. Allerdings sorgte dies dafür, dass sich der Meinungsbildungsprozess immer mehr verlagerte. Die Artikel wurden sozusagen zur erklärenden Themenvorgabe degradiert.

Inzwischen jedoch scheint man in den Redaktionsbüros immer weniger daran interessiert zu sein, solche Diskussionen zuzulassen, da man sich offenbar nicht mehr mit dem zunehmenden Verlust der Meinungs- und Deutungshoheit zufrieden geben möchte. Wie kommen die Leser auch dazu, sich kritisch über diverse Vorgänge zu äußern und Sachverhalte zu hinterfragen? Darf man im Zuge der sich ergebenden Diskussionen nicht mehr eine eigene Meinung bilden, die sich nicht mit jener des Autors deckt?

Dass es immer wieder Trolle gibt, die sich äußerst destruktiv verhalten, ist nicht zu verhindern. Dafür gibt es jedoch die Möglichkeit der Moderation. Ebenso muss man eingreifen, wenn die Kommentatoren juristisch strafbare Äußerungen posten. Doch immer öfter greifen die Moderatoren der Massenmedien massiv in den Meinungspluralismus ein, wie immer mehr Beschwerden zeigen. Kritische Kommentare werden immer wieder geblockt.

Loading...

Einige Medien haben damit angefangen, bei diversen Artikeln die kontroverse Debatten auslösen könnten, die Kommentarfunktion gleich zu deaktivieren und somit eine Diskussion der Leser gleich auszuschließen. Die "Süddeutsche" und der "Stern" beispielsweise lassen eine Diskussion inzwischen gar nicht mehr zu und haben die Kommentarfunktion gleich komplett abgeschafft. Wer mit anderen (persönlich nicht bekannten) Menschen über die Artikel dort diskutieren möchte, muss dies nun in den sozialen Medien tun.

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

Ein Kommentar

  1. Ich sehe das positiv. Je weniger die MSM Wert auf die Meinung seiner Leser/Zuschauer legen, indem sie kritische Diskussionen im Keim ersticken, um so schneller machen sich die MSM selbst überflüssig. Die Einbrüche bei Auflage/Quote werden dadurch weiter wachsen, die Gedanken jenseits medialer Berieselung und Beeinflussung werden freier. Freies Denken aber ist eine Grundvoraussetzung für eine wirkliche Demokratie, die, wie jeder Prozess der Meinungsbildung eine Güterabwägung beider Sichtweisen erfordert, bevor mehrheitlich entschieden wird.

    Nur wer selber denkt, kann auch begreifen.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.