Legionärskrankheit: Wie lasche Umweltkontrollen Menschenleben kosten

Die Legionärskrankheit wird von Bakterien, Legionella pneumophila, auch als Legionellen bezeichnet, ausgelöst und verursacht beim Infiziertem eine schwere Lungenentzündung. Eine der schwersten Epidemien der Legionärskrankheit, mit 331 Infizierten und bislang 8 bestätigten Todesopfern, hat Vila Franca de Xira, eine portugiesische Stadt vor den Toren Lissabons, heimgesucht und die Bevölkerung aus ihrem Vorstadttrott gerissen. Auch wenn der genaue Verursacher noch nicht feststeht, ist doch klar, dass die Ursache ein Kühlturm einer Fabrik ist. Eine von drei Fabriken, deren Kühlanlagen abgestellt und akribisch untersucht wurden. Jetzt ist die Justiz am Zug.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Was ist das bloß, im Wilden Westen, wo das Chaos herrscht und die Politiker einerseits das Land zu Grunde richten, derweilen die Opposition sich zurücklehnt und auf die Wahlen in fast einem Jahr warten? Das Sparmaßnahmen nur allzuoft zu Mehrkosten führen, müsste inzwischen auch dem letztem Hinterbänkler bekannt sein, aber in Wahrheit ist nur der Schein wichtig und diese "Nach mir die Sintflut" Mentalität ist bis zu den Parlamentswahlen im Oktober 2015 noch oft zu erwarten. Umweltsünden sind aber keine Bagatelle. Ehe man sich versieht, sterben einzelne Menschen und Familien, ja ganze Gemeinden werden auf immer geschädigt. Kein Geld der Welt kann das wieder gutmachen. Kein Sparzwang kann so etwas rechtfertigen.

Menschen liegen auf der Intensivstation verschiedener Krankenhäuser. Die Bakterien haben eine Inkubationszeit von 10 Tagen. Daher befinden sich einige Patienten in Krankenhäusern weit entfernt von Vila Franca. Alle Fälle haben sich im gleichem Umfeld infiziert, sind verreist und bekamen die ersten Symptome schon weit vom Infektionsherd entfernt. Porto, Castelo Branco, Faro und natürlich Lissabon, wohin einige Patienten verlegt wurden um das kleinere Krankenhaus in Vila Franca de Xira zu entlasten.

Zwei sind besonders weit gereist. Der Patient, der in Angola krank wurde, beunruhigte die Behörden da er angeblich bei der Einreise Fieber hatte und nicht von der "Ebola-Kontrolle" entdeckt wurde. Aber der Erkrankte selbst widerspricht dieser These und gibt an, erst einen Tag nach dem Flug Fieber bekommen zu haben. Ein anderer Infizierter hatte das Pech nach Peru zu fliegen und die Symptome zunächst mit einer Erkältung und dann mit einer Grippe zu verwechseln. In Peru hat er aber keine Versicherung und muss die Kosten selbst tragen. Da er nach Peru gegangen war um zu arbeiten und Geld zu verdienen, ist die Infektion für ihn besonders tragisch. Daher wird er wohl einer der vielen Opfer sein, die den Verursacher auf Schadensersatz verklagen werden.

Die Opfer dieses Umweltskandals warten noch darauf, dass die Untersuchung des Falls abgeschlossen wird um zu erfahren, wessen Kühlturm für die Umweltkatastrophe verantwortlich war. Bis dahin bleiben alle drei der verdächtigen Firmen, ganz oder teilweise, geschlossen. Man kann sich denken, dass der Schaden in die Millionen geht, wenn man bedenkt, dass 331 Menschen – viele von ihnen schwer – erkrankt sind, zum Teil noch immer auf der Intensivstation liegen und um die 50 künstlich beatmet wurden.

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Doch es ist ein Leid, welches nicht beziffert werden kann, auch wenn es die Gerichte letztlich tun, weil sie es müssen. Der Tod! Bislang sind 9 Menschen gestorben, von denen aber nur 8 der Legionärskrankheit zugeschrieben wurden. 8 Tote, 2 Frauen und 6 Männer, im Alter zwischen 52 und 86 Jahren, haben den Kampf gegen das Bakterium verloren. Das mag statistisch nicht viel sein und im Vergleich mit der Sterberate von 70 Prozent bei Ebola ist es fast schon unerheblich… Unerheblich? Ein Menschenleben? 8 Menschenleben? Wohl kaum!

Kein Wunder also, dass für die Opfer, die Angehörigen und Freunde, für alle die ihre Arbeitsplätze gefährdet sehen, sei es in den 3 verdächtigen Betrieben, sei es in den Geschäften, Cafés, Friseursalons oder gar im öffentlichem Schwimmbad, der Ebola-Ausbruch, trotz seiner 15.145 registrierten Kranken und bislang 5.420 Todesopfer, derzeit nicht interessiert.

Sie wollen jetzt, wo sie wieder normal duschen können und so langsam ihre Angst verlieren, dass wieder Normalität einkehrt. "Diese Ungewissheit war das Schlimmste", sagte Paula Gomes, die einen Friseursalon in Vila Franca de Xira betreibt. "Meine Kundinnen bestanden darauf, die wenigen die überhaupt kamen, na ja… Jedenfalls habe ich in den letzten zwei Wochen, drei Kundinnen die Haare mit Wasser aus dem 5-Liter-Kanister waschen lassen. Eine brachte sogar ihr eigenes Wasser mit. Es war verrückt, da niemand wusste, wo diese Bazillen herkamen. Man hat uns zwar gesagt, dass wir das Wasser trinken können, es nur nicht einatmen dürfen. Aber mal ehrlich, weiß man es? Sicher ist sicher."

Paulas Schweigen und ihren Blick in dem Moment kann ich nur schwer beschreiben, als sie fortfuhr. "Meine Schwester liegt auf der Intensivstation und wurde intubiert. Ein paar Tage bevor sie krank wurde, hat sie sich verschluckt, als sie Wasser aus der Leitung trank. Ich glaube, obwohl sie die Düngerfabrik verdächtigen, dass sie sich damit angesteckt hat. Aber jetzt haben die ja so viel … na, wie sagt man noch dazu? Chlor! Sie haben Chlor reingeschüttet, ins Leitungswasser. Aber meine Schwester liegt da und hat einen Schlauch im Hals…"

Mit diesem, wissenschaftlich nicht ganz korrektem, aber authentischen Zeugnis dessen was die Menschen fühlen, überlasse ich dem Leser die Bildung einer Meinung. Ansonsten müssen die Gerichte jetzt entscheiden und den Opfern etwas Gerechtigkeit verschaffen.

Aktualisierung: Inzwischen stieg die Zahl der Todesopfer auf 10. Die Düngemittelfabrik wurde als Verursacher bestätigt.

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3 Kommentare

  1. Es ist schon pervers, welches Buhei um die Legionellen gemacht wird. Geflissentlich ignoriert wird, dass Legionellen überall vorkommen und für normale gesunde Menschen keine tödliche Gefahr darstellen.
    Was wir bei der Risikobetrachtung völlig ignorieren: Jedes Jahr sterben in Deutschland 5.000 – 10.000 Menschen durch die Grippe. Darüber regt sich kein Mensch auf. Von Verkehrsunfällen mal ganz abgesehen.
    Ich will hier die Legionellen nicht verharmlosen – ein vernünftiger Schutz und Vorkehrungen gegen Legionellen ist sicherlich nicht unangemessen. Aber man sollte eben mal die Kirche im Dorf lassen. Und sollte vielleicht auch die immer bei diesem Thema mitschwingende Industriefeindlichkeit auf die Waagschale legen. Woher kommt unser Wohlstand und der Luxus, dass wir uns eine gesunde Umwelt leisten können?

    In diesem Sinne – ein schönes Wochenende!

    Rudolf

  2. Lieber Rudolf,

    Ich hbe hier vor allem auf das Nachlasssen der Kontrollen aufmerksam machen wollen, dieser Ausbruch geschah, auf Grund einer ungewöhnlichen Wetterlage, nicht weil eine Klimaanlage im Auto nicht gereinigt wurde. Sicher war mir der Medienrummel im kleinem Portugal auch übertrieben aber wenn man, um zu sparen und den Aktionären ein paar Euro mehr auszahlen will, die Gesundheit der Mitarbeiter und gar des ganzen Ortes riskiert, dann ist das ein Kapitalverbrechen. Industrie? Ich habe viel in der Industrie gearbeitet und hätte gerne mehr Industrien. Portugal braucht die Arbeitsplätze und wir müssen Asien wieder zeigen, das wir unsere Produkte selber machen können – aber bitte nicht auf Kosten der Gesundheit, Umwlt und nicht mi Hungerlöhnen von 585€/Monat (Mindest-Brutolohn). Doch dazu muß der Staat, bzw. die EU, eine Schutzpolitik (wieder)einführen, wenn wir Verhältnisse wie in Bangladesh verhinden wollen. Derzeit versuchen unsere Politiker uns in die 3.Welt zu befördern.

  3. Das elfte Todesopfer, hat den weltweit drittgrössten Ausbruch zurück in die Medien und damit in das Gedächtnis zurück gerufen. Die Menschen warten noch auf Entschädigung, was niemanden wundert, aber auch noch keine Entschuldigung von Seiten der Düngemittelfabrik. Das wäre das Mindeste…

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