G20-Gipfel: Schattenbanken sind eine Gefahr für das Weltfinanzsystem

Auf der Agenda des G20-Gipfels in Australien am Wochenende steht das Thema Schattenbanken weit oben – ein letzter Nachklang der Finanzkrise von 2008. Die Regierungen planen vor allem strengere Veröffentlichungs- und Registrierungspflichten sowie höhere Standards für die billionenschweren Geschäfte auf den Finanzmärkten.

Von Marco Maier

Wenn es um die wirklichen Risiken für das globale Finanzsystem geht, richtet sich der sorgenvolle Blick vieler Finanzexperten immer stärker auf die Schattenbanken. Hedgefonds, Geldmarktfonds und andere vergleichsweise wenig regulierte Finanzhäuser gewinnen auf den Finanzmärkten dieser Welt zunehmend an Bedeutung. Denn je mehr die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt (G20) versuchen, die Bankenbranche mit schärferen Auflagen krisenfest zu machen, desto mehr Gelder wandern zu den Finanzinstituten ab, die bisher kaum reguliert werden.

Die Regierungen der Länder planen im australischen Brisbane vor allem strengere Veröffentlichungs- und Registrierungspflichten sowie höhere Standards für die billionenschweren Geschäfte. Auch direkte Eingriffe der Aufseher in Hedgefonds-Geschäfte sind im Gespräch. Bei den meisten Vorschlägen mangelt es bislang vor allem an der Umsetzung. Vor einem Jahr beim G20-Gipfel in Sankt Petersburg haben die Regierungen einen ersten Zeitplan hierfür auf den Weg gebracht, dieser soll nun fortgeschrieben werden.

Gefährlich für das globale Finanzsystem sind die Schattenbanken nicht unbedingt nur wegen ihrer Größe, sondern vielmehr auch wegen ihrer engen Vernetzung mit den Banken und Versicherungen. Die Institute verkaufen angesichts der schärferen Regulierung immer mehr riskante Geschäfte in das Reich der Schattenbanken, die sich hiervon wiederum hohe Renditen versprechen. "Die Risiken verlagern sich in das System der Schattenbanken", warnt IWF-Kapitalmarktexperte Jose Vinals. Dadurch blieben sie aber im Gesamtsystem. Auch die EU-Kommission sieht die Gefahren: "Jede Insolvenz kann erhebliche Ansteckungseffekte nach sich ziehen."

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Unumstritten ist bei den Politikern und Aufsehern somit, dass die Schattenbanken das gewaltige Potenzial haben, das globale Finanzsystem aus den Angeln zu heben. Sie verleihen Milliarden oder legen diese an, ohne direkten Zugang zu Zentralbankgeld zu haben. Zudem sitzen sie oft in exotischen Finanzzentren oder Steuerparadiesen und sind damit der Aufsicht der G20-Staaten entzogen. Der billionenschwere Sektor ist zudem höchst unübersichtlich: Geldmarktfonds mischen ebenso mit wie private Geldverleiher, Investmentfonds und Hedgefonds.

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Genaue Angaben zur Größe des Sektors fehlen. Der Finanzstabilitätsrat (FSB), in dem die wichtigsten Aufseher sitzen, bezifferte die Summen, mit denen die Schattenbanken hantieren, unlängst auf 75 Billionen Dollar. Das sind fünf Billionen Dollar mehr als ein Jahr zuvor. Wenn man nur die hochriskanten und gefährlichen Geschäfte betrachte, gehe es noch um 35 Billionen Dollar. Besonders stark sind die Schattenbanken in den USA: Dort sollen sie Experten zufolge insgesamt fast doppelt so groß sein wie der regulierte Bankenmarkt. Dabei hat der FSB nur Daten aus den wichtigsten 25 Volkswirtschaften. Exotische Finanzzentren bleiben bisher außen vor.

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