Das irrationale Dollar-Imperium

Eigentlich ist es paradox: Immer mehr Länder schließen Handelsabkommen auf Basis der eigenen Währungen, der Ölpreis ist im Keller – und dennoch zeigt sich der US-Dollar so stark wie schon lange nicht mehr. Die irre Welt der Kapitalmärkte macht es möglich.

Von Marco Maier

An und für sich sind die Devisenmärkte wie beinahe jeder andere Markt auch an das Spiel von Angebot und Nachfrage gekoppelt. Doch der US-Dollar spielt hier offenbar ein ganz eigenes Spiel, zumal die Zeichen an und für sich nicht gerade für eine glänzende Zukunft des Greenbacks sprechen. Die künstliche Nachfrage durch die Preisfestlegung wichtiger Rohstoffe wie Erdöl, Kupfer oder Weizen in Dollar sorgte nämlich schon seit Jahrzehnten dafür, dass sich die USA bedenkenlos im Ausland verschulden konnten. Dollars brauchte schließlich beinahe jeder, der im internationalen Handel tätig war.

In der letzten Zeit jedoch begannen immer mehr Länder den Handel untereinander auf die eigenen Landeswährungen umzustellen. Russland, China, der Iran, Brasilien, nun auch noch die Türkei, Kanada und zunehmend auch europäische Staaten lösen sich schrittweise vom Dollar-Imperium. Mit der Schaffung von Verrechnungszentren in Europa erleichtert beispielsweise China diesen Schritt enorm. Das bedeutet jedoch auch, dass die realwirtschaftlichen Gründe eines starken Dollars eigentlich langsam dahinschwinden.

Immerhin weist die Bilanz der Fed allein seit 2008 ein Plus von mehr als 325 Prozent auf, dicht gefolgt von der Bank of England mit einem Bilanzwachstum von etwa 320 Prozent. Die Schweizer Nationalbank, die eine zu starke Aufwertung des Franken verhindern musste, schaffte im selben Zeitraum gerade einmal ein Plus von 280 Prozent. Selbst die Bank of Japan, die sich neuerdings auch in der Geldschwemme versuch, hat ihre Bilanz in den letzten 6 Jahren gerade einmal verdoppelt – und die EZB hinkt mit einem Plus von 60 Prozent der Geldmengenausweitung massiv hinterher.

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Dennoch legte der Dollar gegenüber dem Euro seit dem Tiefpunkt im Juli 2008 um ganze 25 Prozent zu. Realwirtschaftlich ist dies angesichts des massiven Handelsbilanzdefizits der USA und des Überschusses der Eurozone nicht zu erklären. Auch die zunehmende Abkehr vom US-Dollar für den Handel zwischen den einzelnen Staaten sollte die Aufwertung des Dollars nicht gerade begünstigen. Doch da macht sich das dramatische Übergewicht der Finanzmärkte bemerkbar.

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Noch im Jahr 1980 lagen das Weltsozialprodukt (10 Billionen Dollar) und das globale Anlagevermögen (12 Billionen Dollar) in etwa gleichauf. Im Jahr 2007, kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise standen sich 55 Billionen Dollar an Weltwirtschaftsleistung und 196 Billionen Dollar an Anlagevermögen gegenüber. Heute, nur wenige Jahre später (und trotz der Krise) liegt das globale Vermögen bei etwa 230 Billionen Dollar und die Weltwirtschaftsleistung bei etwa 75 Billionen Dollar. Die Tatsache, dass viele Papiere auf Dollarbasis laufen, trägt natürlich mit dazu bei, dass infolge der globalen Geldschwemme auch die Nachfrage nach den Greenbacks stets hoch genug liegt.

Allerdings werden die Finanzmärkte den Bedeutungsschwund des Dollars lediglich etwas verzögern, nicht jedoch aufhalten können. Dem realwirtschaftlichen Bedeutungsverlust des Dollars folgt über kurz oder lang auch der finanzwirtschaftliche. Doch bis dahin werden Länder wie Russland oder China ihre Dollar-Assets wohl schon schrittweise veräußert haben, so dass sie der Dollar-Kollaps nicht mehr so hart treffen würde wie jetzt, wo noch große Teile der Devisenreserven in US-Dollar gehalten werden.

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