Immer wieder heißt es: "Die Rente ist sicher", doch wie hoch sie schlussendlich ausfallen wird, ist eine andere Frage. Japanische Verhältnisse, so dass die Rentner gerade einmal noch um die 150 Euro erhalten, dürften bald schon Realität werden. Schon jetzt ist die Altersarmut immer öfter präsent.

Von Marco Maier

Die Rechnung, wonach immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner finanzieren müssen, wird sich nicht mehr lange ausgehen. Betrachtet man das ganze Rentensystem im Kontext der demographischen Entwicklung, wird einem das ganze Dilemma erst so richtig bewusst. Dass die Altersarmut keine düstere Zukunftsversion mehr ist, lässt sich inzwischen deutlich an aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) ablesen. Allein in den letzten acht Jahren stieg die Zahl der Menschen ab 65 Jahren, die auf eine Grundsicherung angewiesen sind, um rund 45 Prozent an.

Im Jahr 2013 nahm rund eine halbe Million älterer Menschen die Mindestsicherung in Anspruch. Gegenüber dem Vorjahr war dies ein Plus von 7,4 Prozent. Auch in diesem Jahr dürfte die Zahl weiter steigen. Das bedeutet aber auch, dass immer mehr Menschen auf alternative Einkommensquellen – wie zum Beispiel Pfandflaschen sammeln – angewiesen sind, oder sich auf die Hilfe der Gesellschaft verlassen müssen. Besonders von der Armut betroffen sind die Großstädte. In Berlin bezogen 58 von 1.000 Einwohnern Grundsicherung, in Bremen 59 und in Hamburg gar 68. Zum Vergleich: In Sachsen und Thüringen lag diese Zahl bei gerade einmal 11 von 1.000.

Allerdings ist davon auszugehen, dass das ganze soziale System irgendwann kippt, da zur Finanzierung vor allem die Arbeitseinkommen herangezogen werden. Doch der Anteil der Einkommen aus Arbeit am gesamten Volkseinkommen sinkt schon seit Jahrzehnten unablässig. Das heißt: ohne eine vollumfängliche Miteinbeziehung von Kapitaleinkommen wie Zinsen und Dividenden ist das Ganze bald schon nicht mehr finanzierbar. Damit lösen sich sonst auch die Rentenversprechen der Politik in Luft auf.

Sicher, die gesamte Volkswirtschaft wird in den nächsten Jahren auch weiterhin noch etwas wachsen, doch der Anteil der Transferleistungen wird angesichts des wachsenden Altersdurchschnitts und der dadurch nötigen Rentenzahlungen noch stärker steigen. Das Geld dafür kann jedoch nicht ständig mittels Kreditaufnahme bereitgestellt werden, ohne dass der finanzielle Kollaps droht. De facto heißt das: die durchschnittlichen Rentenzahlungen werden in den kommenden Jahrzehnten stetig sinken, wodurch immer mehr Menschen in die Altersarmut abgleiten.

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Schon jetzt ist klar, dass selbst Durchschnittsverdiener nicht mehr damit rechnen dürfen, im Alter ein finanzielles Auskommen zu haben. Doch die diversen Ansparpläne fürs Alter haben nicht selten ihre Tücken. Beim aktuellen Niedrigzinsumfeld lohnen sich die klassische Sparformen nicht mehr und höhere Renditen sind auch mit entsprechend höheren Risiken verbunden. Hinzu kommt, dass viele Menschen in Deutschland gar keinen finanziellen Spielraum mehr für zusätzliche Sparpläne haben. Dementsprechend schlecht sieht auch die Absicherung im Alter aus. Da helfen auch keine Minijobs mehr.

Die Frage ist nur, ob sich das politische Establishment in Deutschland zu wirklichen Reformen durchringen kann, bevor die Bevölkerung gegen die totale Verarmung der Massen rebelliert, oder wieder populistisch-extremistische Kräfte die Macht im Land übernehmen.

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One thought on “Altersarmut: Deutschland, quo vadis?”

  1. Wenn schon bekannt ist, dass Arbeitseinkommen Zinsknechten nicht ausreicht, warum wird nicht müheloses Einkommen von den Zinskönigen mit verwendet !

     

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