Aktien auf Pump: Börsencrash im Anmarsch?

Die momentan sehr niedrigen Zinssätze sorgen dafür, dass spekulatives Verhalten an den Börsen stark gefördert wird. Aktienkäufe auf Kreditbasis sind wieder einmal sehr beliebt. Doch das ist ein Spiel mit dem Feuer, denn wenn die ersten Kurse fallen, gibt es die ersten Notverkäufe.

Von Marco Maier

Mit Aktien kann man unter Umständen ordentliche Renditen einfahren. Zumindest im längerfristigen Bereich war man bisher oftmals besser dran als jene, die ihr Geld auf dem Sparbuch horteten. Bei niedrigen Zinssätzen jedoch kann es sich sogar lohnen, Aktien auf Pump zu kaufen, da die Kreditzinsen dann deutlich unter den erwarteten Gewinnen liegen. Wie die Statistiken aus den USA zeigen, macht man zumindest in Übersee davon auch ordentlich Gebrauch. Dazu kann man davon ausgehen, dass diese Praxis auch hier in Europa umfassend Anwendung findet. Die Hausse seit 2008 wurde nämlich massiv von Anlegern befeuert, die ihre Aktien mithilfe von Krediten kaufen.

Aktien-KrediteEin Blick auf die US-Statistik (siehe NYSE-Grafik links) zeigt, dass sich die US-Kredite für Aktien (blauer Chart) wieder auf dem Niveau von über 2,5 Prozent des US-BIP befinden, wie schon 1999/2000 bzw. 2007, als es kurz darauf rapide bergabging. Der rote Chart zeigt die Entwicklung des S&P 500 Index an. Wie man erkennt, lösen selbst kleinere Kursrutsche massive Einbrüche bei den Krediten aus. Der Grund dafür ist ganz einfach: fallen die Kurse unter einen bestimmten Wert, müssen die Kreditnehmer Geld nachschießen. Oftmals geht dies nur, wenn sie einen Teil ihrer Aktienbestände wieder verkaufen, was jedoch die Kurse weiter drückt und somit eine Verkaufsspirale auslöst. Die Folge ist ein kleiner Börsencrash.

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Geht man davon aus, dass sich das Spiel bald schon wiederholt, wäre ein Kurssturz des S&P 500 auf 1000 Punkte oder gar darunter durchaus im Bereich des Möglichen. Insbesondere deshalb, weil sich die Kreditvergaberegeln seit der jüngsten Finanzkrise etwas verschärft haben und die Banken dadurch wohl noch früher auf die finanzielle Abdeckung pochen könnten.

Auf jeden Fall ist die aktuelle Entwicklung äußerst bedrohlich, da die Banken infolge der jüngsten Finanzkrise schon genügend Altlasten in den Bilanzen herumschleppen und größere Zahlungsausfälle erheblichen Schaden anrichten können. Auch auf staatliche Unterstützung dürfen die Kreditinstitute wohl nicht mehr zählen, da die Staaten selbst kaum mehr in der Lage sind solche Schäden zu übernehmen.

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