Der vorsichtige Reformkurs von Papst Franziskus stößt in manchen innerkirchlichen Kreisen auf Gegenwehr. Insbesondere die erzkatholischen Gruppen wehren sich massiv gegen den toleranteren und offeneren Kurs, den der Argentinier einzuschlagen versucht. Droht gar ein Putsch der konservativen Kräfte im Vatikan?

Von Marco Maier

Für unzählige Millionen Katholiken gilt Papst Franziskus als Hoffnungsträger einer sozialeren, offeneren und toleranteren Kirche. Einer Kirche, die versucht sich ihrer verkrusteten Strukturen aus längst vergangenen Jahrhunderten zu lösen und sich dem christlichen Geist der Nächstenliebe zu verschreiben. Der Versuch des Papstes, insbesondere auf Barmherzigkeit zu setzen, führte zu einem Erwachen bei den reformorientierten Kräften in der Kirche, die nun Hoffnung schöpften.

Allerdings stößt dieser Kurs, der ohnehin hauptsächlich nur aus neuen Akzenten ohne gewaltige Reformen und Umwälzungen abläuft, auch auf massive Kritik. Insbesondere die erzkonservativen katholischen Gruppen fürchten um die Authentizität der Katholischen Kirche. Kardinal Christoph Schönborn sieht nach der zweiwöchigen Familiensynode die Situation äußerst kritisch: "Im Moment gibt es eine massive Angriffswelle auf den Papst von diversen Kreisen", sagte Schönborn am Montag. So gebe es inzwischen sogar eine Publikation, in der die Gültigkeit der Wahl zum Papst angezweifelt werde. Auch würden Kritiker "apokalyptische Szenarien" entwerfen, Franziskus würde die Kirche in den Untergang führen.

Für die Konservativen in der Kirche sind Reformen unkatholisch. Manche von ihnen feiern die Messen noch heute ausschließlich in lateinischer Sprache. Die Ergebnisse der frühkirchlichen Konzile, die in den ersten Jahrhunderten christlicher Zeitrechnung stattfanden und die katholische Kirche zu einer Religion der Dogmen und festen Riten machte, gelten in diesen Kreisen nach wie vor als unumstößlich. Dass der damalige Zeitgeist (vor allem der Gnostizismus) einen großen Einfluss auf die Beschlüsse hatte, scheint nebensächlich zu sein. Umso mehr wird verständlich, warum sich diese Kreise gegen sanfte Reformen stellen – sie müssten einige Glaubensinhalte, die lediglich auf der damals vorherrschenden Auffassung und Auslegung beruhen, zum ersten Mal kritisch hinterfragen.

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Sollten die Reformer mit dem Schutz des Papstes noch mehr Einfluss in der Kirche gewinnen, müssten die Erzkonservativen massiv gegensteuern. Selbst ein Putsch, basierend auf dem umfangreichen Kirchenrecht und der Auslegungsmöglichkeiten wäre denkbar. Für Papst Franziskus, der die Kirche wieder menschlicher machen will, ist dies gefährlich. Die alten Machtstrukturen im Vatikan sind nämlich immer noch vorhanden, wenngleich sie vor allem im Hintergrund agieren.

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