Des einen Freud' ist des anderen Leid. Während die Industriestaaten angesichts des niedrigen Ölpreises aufatmen können, kommen so manche ölproduzierenden Länder langsam ins Schwitzen. Die Weltwirtschaft ersäuft im schwarzen Gold.

Von Marco Maier

Am Montag sank der Ölpreis zum ersten Mal seit langem unter die Marke von 80 Dollar pro Barrel (159 Liter). Grund dafür ist das globale Überangebot, welches durch die Kombination aus hohen Produktionsmengen und niedriger Nachfrage entsteht. Doch eine Drosselung der Förderung ist aus geopolitischen Gründen nicht zu erwarten, da insbesondere die arabischen Golfstaaten als US-Vasallen die Strategie der wirtschaftlichen Destabilisierung von Staaten wie Russland, Venezuela oder dem Iran unterstützen. Ganz zu schweigen von der massiven Förderung von Schieferöl und -gas durch Fracking in den USA, wodurch der Druck nochmals verstärkt wird.

Wenn zudem die US-Großbank "Goldman Sachs" in einem Papier weiterhin niedrige Preise prognostiziert, so kann davon ausgegangen werden, dass das Finanz-Establishment ebenfalls ein Interesse an niedrigen Ölpreisen hat. Immerhin ist das Erdöl nach wie vor ein Grundbestandteil der Wirtschaft, so dass niedrige Ölpreise vor allem der US-Industrie nützen. Die anderen Ölkonsumenten-Länder jedoch haben infolge des starken Dollars weniger große Vorteile zu erwarten.

Für das US-Establishment hat der niedrige Ölpreis jedoch vor allem in geopolitischer Hinsicht große Vorteile: gerade jene Länder, deren Regierungen nicht in die Pläne der US-Hegemonie passen, sind oftmals von den Ölexporten abhängig. Während die US-Verbündeten am Golf ihr Öl noch recht günstig aus der Erde holen können, führen die sinkenden Einnahmen in Ländern wie Russland oder Venezuela zu budgetären und wirtschaftlichen Problemen. Damit steigt jedoch auch sukzessive die Gefahr politischer Unruhen in diesen Ländern an, sollte sich die wirtschaftliche Situation über längere Zeit verschlechtern.

Für die Europäische Union, die Öl im Wert von rund 350 Milliarden Dollar pro Jahr importiert, könnte ein langanhaltend niedriger Preis (uner 90 Dollar pro Barrel) jedoch zu einer Ersparnis von bis zu 80 Milliarden Dollar führen. Einerseits wäre dies ein willkommener Impuls für die Industrie, andererseits befördert dies jedoch auch die Gefahr einer Deflation, die ohnehin schon in einigen Ländern der Eurozone Realität wurde. Allerdings sagen IWF-Berechnungen, dass ein Preisrückgang beim Öl von 10 Prozent das Wachstum der Weltwirtschaft um 0,2 Prozent beschleunigt. Damit müsste sich jedoch der Ölpreis auf die Hälfte verringern, um ein Weltwirtschaftswachstum von einem Prozent zu generieren.

Liebe Leser, wenn sie kein Abo abschließen möchten, können sie uns auch mit einer Spende auf folgendes Empfängerkonto: Andreas Keltscha, IBAN: DE96100110012620778424, BIC: NTSBDEB1XXX oder per Paypal und Kreditkarte, unterstützen. Danke für ihre Hilfe!

Loading...

1 KOMMENTAR

  1. ich denke das bei diesem beitrag ein sehr wichtiger aspekt fehlt .

    ist der dollar nicht an das oel gebunden ? wieviel verliert die FED an deckung wenn der preis so runter geht , sollten die amis bei einen derartigen preisverfall nicht schon unter wasser stehen ?

    ein schlechter preis betrifft die doch viel mehr als die russen , sitzen die amis nicht in einer waehrungs titanic ?

    lg

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here