Ukraine: Verhandlungen über Gaslieferungen gehen weiter

Nachdem die Verhandlungspartner gestern in Brüssel keine Einigung über die Lieferung von Erdgas aus Russland in die Ukraine erzielen konnten, sollen diese heute fortgeführt werden. Knackpunkt ist nach wie vor die Finanzierung.

Von Marco Maier

Auf der einen Seite spuckte Arsenij Jazenjuk erst vor Kurzem große Töne, dass die Ukraine über Milliardenreserven für die Erdgaslieferungen verfügen würde, auf der anderen Seite jedoch kommen die Verhandlungspartner in Brüssel hinsichtlich der Finanzierung auf keinen grünen Zweig. Die gestrige Verhandlungsrunde wurde angesichts der Uneinigkeit der Verhandler auf heute Abend vertagt.

Kiew habe bislang keine schriftlichen Garantien für eine von Moskau geforderte Vorauszahlung für Gaslieferungen vorgelegt, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak russischen Agenturen zufolge am Donnerstagmorgen. Der Chef des Energiekonzerns Gazprom, Alexej Miller, nahm die vermittelnde Europäische Union in die Verantwortung: Die EU-Kommission und die Ukraine müssten sich in bilateralen Gesprächen über Garantien aus Brüssel einigen. „Uns wurde erklärt, dass die Ukraine Mittel zur Vorauszahlung eines Gasvolumens von vier Milliarden Kubikmetern sucht“, sagte Nowak. „Wenn es Geld gibt, gibt es Gas“, erklärte der Minister. Gazprom-Chef Miller machte deutlich, es werde kein weiteres Treffen und keine Unterschrift geben, wenn sich die EU-Kommission und die Ukraine nicht über eine Garantie einig würden.

Das Problem der Ukraine sind die bislang angehäuften Schulden bei Gazprom, die in die Milliarden gehen. Angesichts der drastisch verschlechterten politischen Beziehungen, die auf den Putsch der russophoben Maidan-Koalition zurückgehen, fordert der teilstaatliche Konzern nun zuerst die Begleichung der Altschulden, bevor neue Lieferungen erfolgen. Zudem wurden der Ukraine sämtliche Vergünstigungen gestrichen, die noch in besseren Zeiten gegeben wurden, als die ukrainische Regierung noch keine Hasstiraden nach Moskau sandte.

Lesen Sie auch:  Libyen: Besetzen russische Söldner ein wichtiges Ölfeld für Haftar?

In der vergangenen Woche hatten beide Seiten Fortschritte erzielt. Nach Worten von EU-Kommissar Oettinger gab es eine Einigung, dass die Ukraine für die Winterphase bis März einen Preis von 385 Dollar (rund 300 Euro) je 1000 Kubikmeter für russisches Gas zahlt. Die Ukraine sagte darüber hinaus zu, alle Lieferungen gegen Vorkasse zu bezahlen. Zudem verpflichtete sich die Ukraine, bis Jahresende Teilschulden in Höhe von 3,1 Milliarden Dollar an den russischen Energieversorger Gazprom nachzuzahlen. Offen blieb jedoch, wie die de facto insolvente Ukraine ihr Gas bezahlen wird.

Loading...

Hinzu kommt, dass die Ukraine wie schon 2009 wieder damit beginnen könnte, Gas aus den Transitpipelines abzuzweigen, welches für die EU-Staaten bestimmt ist. Über die Sommermonate war die Nichtbelieferung der Ukraine mit russischem Gas noch überbrückbar, doch der kalte Winter sorgt für Probleme. Sollte es nicht bald zu einer Einigung kommen, könnten tausende Menschen die auf eine Gasheizung angewiesen sind erfrieren.

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.