Protestaktion von Kurden in London. Bild: Flickr / David Holt CC-BY-SA 2.0

In vielen Städten Europas und der Türkei protestierten zehntausende Kurden gegen die zögerliche Haltung des Westens bei der Unterstützung kurdischer Kämpfer gegen die IS-Milizen bei Kobane. In Hamburg lieferten sich Kurden und islamische Extremisten eine Straßenschlacht. Wie geht es weiter?

Von Marco Maier

Demonstrationen, bestetzte Parteizentralen, Auseinandersetzungen mit Salafisten – die Kurden in der europäischen Diaspora machen mobil. Grund dafür ist der Sturm der IS-Milizen auf den vorwiegend kurdisch besiedelten Norden Syriens und der drohende Fall der Provinzhauptstadt Kobane. Hunderttausende Kurden flohen schon in die benachbarte Türkei, doch viele Menschen konnten sich nicht mehr in Sicherheit bringen und sind den heranrückenden Milizen hilflos ausgeliefert.

Die Türkei, die ihre Truppen an der Grenze zu Syrien schon massiv verstärkt hat, weigert sich einzugreifen. Für die türkische Führung handelt es sich bei den Verteidigern von Kobane auch nur um Terroristen, da die dortige Kurdenpartei PYD lediglich der syrische Ableger der PKK in der Türkei ist. Doch die PKK gilt in der Türkei und vielen europäischen Ländern als "terroristische Organisation" und ist deshalb verboten.

Mehrere Dutzend kurdische Demonstranten drangen in das Europaparlament in Brüssel ein. Sie schwenkten kurdische Fahnen und ließen sich im Gebäude nieder. Während Bereitschaftspolizisten die Demonstranten umstellten, trafen sich mehrere Europaabgeordnete mit ihnen zu Gesprächen. Auch Kurden in der Schweiz und in Österreich solidarisieren sich. Bei den pro-kurdischen Protesten in der Türkei gegen die Tatenlosigkeit Ankaras angesichts der drohenden Eroberung der syrischen Stadt Kobane durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) sind mindestens 14 Menschen getötet worden. Viele weitere Personen wurden laut Medienberichten bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, aber auch mit Islamisten, verletzt.

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In Hamburg und Celle kam es zu Ausschreitungen zwischen pro-kurdischen Demonstranten und radikalen Muslimen (Salafisten). Dabei seien ebenfalls mehrere Menschen verletzt worden. In der Nacht zu Mittwoch kam es im Hamburger Stadtteil St. Georg und Georg und im niedersächsischen Celle zu schweren gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen beiden Gruppen. Zudem berichteten türkischstämmige Bürger, dass sie angegriffen worden seien. In Hamburg wurden mindestens acht Menschen verletzt. Zwei Dutzend wurden zunächst festgenommen.

Auf jeden Fall zeigt der Fall Kobane, dass die Menschen dort dringend Hilfe benötigen. Auch könnte die Türkei zeigen, dass sie nicht der Feind der Kurden ist, sondern mit der Unterstützung gegen den Islamischen Staat ein Zeichen zur Aussöhnung setzen kann. Mit der sturen Haltung, die Kurden in Nordsyrien automatisch zu Terroristen zu erklären und sie auf sich selbst gestellt den IS-Milizen zu überlassen, schaffen sie nur weiteres böses Blut. Die Folge wäre ein erneutes Aufflammen des innertürkischen Kurdenkonflikts.

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