Weil die türkische Regierung nach wie vor ein angespanntes Verhältnis zu den Kurdenparteien hat, agiert das Land beim Kampf um die von Kurden bewohnte Stadt Kobane in Nordsyrien äußerst zurückhaltend. Für Erdogan ist die kurdische Arbeiterpartei PKK nämlich genauso eine terroristische Organisation wie die Extremisten des "Islamischen Staats".

Von Marco Maier

Teile der Stadt Kobane (Ain-al-Arab) befinden sich schon unter Kontrolle der IS-Milizen, eine totale Einnahme der vor allem von Kurden bewohnten Stadt durch die Extremisten steht kurz bevor. Mit der Stadt, die sich direkt an der Grenze zur Türkei befindet, erreicht das vom Islamischen Staat kontrollierte Gebiet nun auch das türkische Grenzgebiet. Doch die türkische Armee sieht zu, wie die kurdischen Volksmilizen von den IS-Kämpfern nach und nach aufgerieben werden.

Für die türkische Armee gilt nämlich die PKK (wie deren syrischer Ableger PYD) per se als terroristische Organisation – und die Kurden in Nordsyrien sind traditionell eng mit der PKK verbunden. Wenn sich nun aus türkischer Sicht zwei Terrorgruppen bekämpfen, ist dies kein Grund einzugreifen. Auch wenn dadurch hunderttausende Menschen in höchster Lebensgefahr schweben.

Stattdessen spricht sich Erdogan für eine von der Türkei kontrollierte Flugverbots- und Pufferzone aus, womit das NATO-Land quasi eine direkte Kontrolle über einen Teil Syriens erlangen würde. Dieser Plan, der auch in den USA auf Zustimmung stößt, würde verhindern, dass die türkische Regierung vor ein politisches Dilemma gestellt wird. Greift die türkische Armee nämlich nicht ein, lässt sie die Kontrolle über das Grenzgebiet zur Türkei in den Händen des Islamischen Staates. Greift sie ein, könnte dies die Schaffung eines Kurdenstaates nach sich ziehen. In beiden Fällen würde Ankara das Gesicht verlieren.

Allerdings sprachen sich die Kurden bisher gegen den Einmarsch türkischer Bodentruppen in Kobane aus, da sie die Besetzung der Stadt und des Distrikts fürchten. Doch die Türkei will nur dann nach Syrien einmarschieren, wenn dies den Sturz Assads als Ziel mit beinhaltet. Zudem befürchtet man in Ankara, dass der Einsatz von Bodentruppen zu Anschlägen von IS-Anhängern in der Türkei führt.

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