Dieter Nuhr. Bild: Flickr / André Zehetbauer CC-BY-SA 2.0
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Wie weit darf Satire in Sachen Religion gehen? Dass gerade Vertreter des Islams immer wieder Probleme damit haben, wenn deren religiösen Eigenheiten zum Ziel von Kritik und Satire werden, ist hinlänglich bekannt. Erhat Toka zeigte nun den Comedian Dieter Nuhr wegen "Beleidigung von Religionsgemeinschaften" an, weil er sich an dessen satirischer Islamkritik stößt.

Von Marco Maier

Sicher, auch Satire ist kein Freifahrtschein für übelste Hetze und Beleidigungen. Dennoch muss man dieser Kunst entsprechende Freiräume zugestehen, da sie explizit in einer oftmals überspitzten Form auf Missstände aufmerksam macht. Das gehört nun einmal dazu. Dieter Nuhr, der sich in seinem Kabarettprogramm immer wieder kritisch gegenüber diversen religiösen Eigenheiten des Islams äußerte, wurde nun von einem verärgerten Muslimen angezeigt. Erhat Toka sagt zwar, dass er nichts dagegen hat, wenn sich jemand über den Islam lustig machen würde, doch Hetze lehnt er ab.

Toka, der bei der Kommunalwahl für eine muslimische Partei kandidierte und Sympathien für den islamisch-konservativen türkischen Präsidenten Erdogan hegt, wirft Nuhr vor, dass dieser unter dem Deckmantel der Satire eine „blöde, dumme Hetze“ gegen eine Minderheit betreibe. Insbesondere ein Youtube-Video mit gesammelten Aussagen Nuhrs über den Islam stößt ihm sauer auf.

https://www.youtube.com/watch?v=KyIVCmdHERk

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Sätze wie "Islam ist ausschließlich dann tolerant, wenn er keine Macht hat. Und da müssen wir dafür sorgen, dass das auch so bleibt", sagt Nuhr darin zum Beispiel. Gerne zitiert Nuhr den Koran, einmal auch mit den Worten: „Tötet die Ungläubigen, wo immer ihr sie findet.“ und sagt dann: „Da wird massakriert, was das Zeug hält, im Namen Gottes.“ Auch Sätze wie "Im Islam ist die Frau zwar frei, aber in erster Linie frei davon, alles entscheiden zu müssen.", oder: "Wenn man nicht wüsste, dass der Koran Gottes Wort ist, könnte man meinen, ein Mann hätte ihn geschrieben." trugen zu Tokas Entscheidung bei.

Dennoch muss man sich die Frage stellen, ob man gewisse Tendenzen bei Religionen nicht hinterfragen oder kritisieren darf. Sicher, man kann die salafistische Regime in Saudi-Arabien oder dem "Islamischen Staat" nicht mit offeneren, liberaleren islamischen Gesellschaften vergleichen – trotzdem gibt es zumindest aus europäischer Sicht einige grundsätzliche Probleme mit diversen ethischen Vorschriften des Islams, die durch kulturelle Eigenheiten in manchen Ländern (z.B. die Genitalverstümmelung von Frauen in Somalia) noch einmal verstärkt werden.

Aber: die islamische Welt stellt ebensowenig eine homogene Masse dar wie die christliche Welt. Hier wie dort gibt es große Unterschiede und differierende kulturelle Ausprägungen. Dieter Nuhr mag zwar in seinen Aussagen gerne verallgemeinern und sich insbesondere die Negativbeispiele herauspicken – doch Islamhetze ist das nicht. Satire muss etwas überspitzen um Gehör zu finden. Gerade die offenere, liberalere muslimische Welt sollte da vielleicht auch sagen: Stimmt, gewisse Gruppen vertreten Standpunkte, die wir nicht teilen und ebenfalls kritisieren.

 

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3 KOMMENTARE

    • Hmm… soweit ich weiß, kommt die Genitalverstümmelung bei Frauen vor allem in Somalia vor, wo die Menschen zwar muslimisch sind, diese Praxis jedoch auf die Stammeskulturen dort zurückzuführen ist.

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