Finanzmärkte: BIZ warnt vor Crash

Die Zentralbank der Zentralbanken, wie die "Bank für internationalen Zahlungsausgleich" (BIZ) auch genannt wird, warnt vor einem ausgewachsenen Börsencrash. Die anhaltend niedrigen Zinsen und die Geldschwemme würden, so der Chefvolkswirt der BIZ, zu einer neuerlichen Finanzkrise führen.

Von Marco Maier

Neu sind die Warnungen der BIZ nicht. Schon vor etwa einem Monat warnte die "Zentralbank der Zentralbanken" vor der Entwicklung auf den Finanzmärkten. Zu niedrige Zinsen und theorethisch unbegrenzt verfügbare Mittel für die Akteure auf den Finanzmärkten, begünstigen die Blasenbildung. Und jede Blase hat die Neigung irgendwann mit einem großen Knall zu platzen.

Nun verschärft der Chefökonom der BIZ, Claudio Borio, den Warnruf an die Finanzwelt und die Politik. Seinen Angaben zufolge sei die gegenwärtige Situation ähnlich wie die Phase vor der Finanzkrise 2008. Zwar habe sich in den vergangenen Jahren einiges getan. wie zum Beispiel die Verschärfung der Regeln für die Banken. „Aber ein zentraler Aspekt ist ähnlich wie damals. Das Zinsniveau scheint weltweit zu niedrig, um langfristig für Preis- und Finanzstabilität zu sorgen. Das ergibt sich aus dem Vergleich mit historischen Wachstums- und Inflationszahlen“, sagte Borio am Montag der deutschen Zeitung „Die Welt“.

Die BIZ als Koordinationsstelle der Notenbanken gehört zu den wichtigsten Finanzinstitutionen weltweit. So sind alle wichtigen Zentralbanken der Welt – die Fed, die EZB, die Bank of England, usw. – Mitglied der BIZ. Und diese warnte schon vor der großen Finanzkrise 2007/2008 vor dem Kollaps der Finanzmärkte – doch Gehör fand sie schon damals nicht. Zu tief steckten die Akteure im Schlamassel, den sie sich selbst eingebrockt hatten.

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Laut BIZ-Chefökonom Borio sei eines der Hauptprobleme der Notenbanken, dass man sie verpflichtet, „innerhalb von ein oder zwei Jahren ein bestimmtes Inflationsziel zu erreichen, ohne auf irgendetwas anderes zu achten“.Im Zuge der Wirtschaftskrise haben die Notenbanken weltweit die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt. Doch die erhoffte Wirtschaftserholung blieb aus. Stattdessen bilden sich nun überall Blasen.

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„Der Risikoappetit hat sich seit einiger Zeit auseinanderentwickelt: Während auf den Finanzmärkten bis vor Kurzem hohe Risken eingegangen worden sind, ist in der Realwirtschaft das Gegenteil zu beobachten. Dort nimmt sich die Risikobereitschaft eine Auszeit. Es wird beispielsweise kaum noch investiert“, meint der BIZ-Chefökonom. Hinzu kommt, dass Firmen immer höhere Preise akzeptieren, um andere Unternehmen zu übernehmen. „Manager haben das billige Geld lieber in Übernahmen oder Aktienrückkäufe gesteckt, statt es in ihr eigenes Geschäft zu investieren. Das ist ein klares Signal, dass etwas schiefläuft“, sagt Borio.

Darauf hoffen, dass die Finanzmarktakteure zur Vernunft kommen, sollte man nicht. Zu groß ist die Gier nach hohen Renditen und Gewinnen. Wie schon vor wenigen Jahren wird erst ein Crash dazu führen, dass einige der Spekulanten wieder einen Bezug zur Realität erhalten. Doch dann werden sich wieder einige Billionen an fiktivem Finanzkapital in Luft aufgelöst haben. Die Inflation an den Finanzmärkten bereinigt sich dann mit mit einem großen Knall.

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