Wertpapiercasino: EZB will mit mehr Risiko mitspielen

Waren bislang hauptsächlich Wertpapiere mit guter Bonität im Aufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) inkludiert, soll sich dies in Zukunft ändern. Draghi und Konsorten wollen im Rahmen des Programms zur Ankurbelung der Wirtschaft nun jene heißen Eisen anfassen, die sie bis dato nicht einmal als Pfand für Darlehen bei den Banken zuließ. Das Risiko von Zahlungsausfällen tragen dann jedoch die Steuerzahler.

Von Marco Maier

Auch wenn die Wertpapierratings nicht selten schlicht und einfach gekauft sind, wie die „Subprime-Loans“ bewiesen hatten, die zur großen Krise 2008 führten, so gelten sie nach wie vor als Benchmark für die EZB in Sachen Pfand und Sicherheiten. Es muss ja nicht gleich ein „AAA“ sein, doch ein „A-“ galt bislang als unterste Grenze. Sicher, die Ratingagenturen vergaben auch schon ein „Triple-A“ an absoluten Müll, doch irgendwo müssen die EU-Zentralbanker ja eine Grenze ziehen. Aber dieses untere Limit soll nun noch weiter heruntergesetzt werden. Asset-Backed Securities (ABS) mit mittelmäßiger Bonität werden dann Teil des EZB-Portfolios.

Befürworter der Bonitätsaufweichung argumentieren hierbei die Notwendigkeit dieses Schritts, um damit die „drohende Deflation“ bekämpfen zu können. Aus EZB-Kreisen heißt es, dass man ja „keinen alten Müll zusammenkaufen“ wolle. Nun ja, früher hieß es auch, man würde keine Staatsfinanzierung durch die Druckerpresse betreiben wollen – und kaufte dann im großen Stil Staatsanleihen über den Sekundärmarkt auf. Für die Brüsseler Eurokraten gilt scheinbar das Motto, dass Regeln und Vorschriften zum beugen da sind. In Finanz- und Wirtschaftskrisen ist offenbar alles erlaubt.

So hat die EZB bereits angekündigt, nur die „sichereren“ Teile einer ABS-Konstruktion zu kaufen, die sogenannte Senior-Tranche. Dies begrenzt das Ausfallrisiko. An die riskantesten Teile, Mezzanine-Tranche genannt, will sich die EZB jedoch nur dann herantrauen, wenn Regierungen oder staatliche Förderbanken dafür Garantien abgeben. Das lehnen Deutschland und Frankreich jedoch ab. Deshalb werde die EZB von Mezzanine-Tranchen wohl die Finger lassen, heißt es. Ob dies ausreicht, um die Risiken zu begrenzen, ist allerdings heftig umstritten.

Sind die Ausfälle bei den Kreditderivaten zu groß, wird dies nicht nur die Gewinne der EZB schmälern, sondern angesichts der ohnehin schon aufgeblähten Bilanz für dramatische Kosten sorgen, welche die Staatshaushalte des Euroraums zu tragen haben. Das Risiko des ABS-Casinospiels der EZB tragen somit vor allem die Steuerzahler des Euroraums.

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