Eine Studie des German Marshall Fund of the US (GMFUS) verdeutlicht die zunehmende Entfremdung der Deutschen von den USA. Das transatlantische Verhältnis wird immer kritischer gesehen und Präsident Obama kann nur noch auf wenig Zufriedenheit mit seiner Politik zählen. Gründe dafür gibt es einige.

Von Marco Maier

Einst sahen die Deutschen in Barack Obama noch einen „neuen Kennedy“, der damit auch mit hohen Sympathiewerten im immer noch von US-Truppen besetzten Land rechnen konnte. Nun,mitten  in seiner zweiten Amtszeit, sieht die Sache schon etwas anders aus. Innerhalb nur eines Jahres ist die Zustimmung der Deutschen zu Obamas Rolle auf der internationalen Bühne gegenüber dem Vorjahr um 20 Punkte auf 56 Prozent abgesackt. Zugleich haben gerade noch 58 Prozent der Deutschen eine positive Meinung von den USA, was einem Minus von zehn Prozentpunkten im Vergleich zu 2013 entspricht.

Dies geht aus der GMFUS-Studie „Transatlantic Trends“ hervor, die von 2. bis zum 26. Juni durchgeführt und auf deren Website veröffentlicht wurde. Dazu wurden Befragungen in den USA, in 10 EU-Staaten (Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Niederlande, Portugal, Spanien, Schweden, Portugal und Großbritannien), Russland und der Türkei durchgeführt. Das Interessante: die Befragungsergebnisse aus Deutschland unterscheiden sich recht häufig vom Durchschnitt der EU-Länder. Die Ergebnisse:

57 Prozent der Befragten aus Deutschland (50 Prozent im EU-Durchschnitt) wünschen sich, dass ihr Land künftig etwa diplomatisch und sicherheitspolitisch unabhängiger von den USA agiert; im Vergleich zum Jahr 2013 ist das ein Plus von 17 Prozentpunkten (+8 Prozent im EU-Schnitt). Hinzu kommt: Erstmals vertritt eine Mehrheit der Befragten diesen Standpunkt.

Aufgeschlüsselt nach Parteianhängern ergibt sich eine Links-Rechts-Differenz: 54 Prozent der SPD-Parteigänger wollen mehr Unabhängigkeit; bei den Anhängern der Unionsparteien sind es dagegen nur 47 Prozent.

Das Bild in Amerika: 34 Prozent der dort befragten Personen wünschen sich eine engere Beziehung mit der EU, 33 Prozent setzen auf mehr Unabhängigkeit. Auch hier zeigt sich ein Links-Rechts-Gegensatz – nur eben anders herum: 43 Prozent der republikanischen Anhänger wollen mehr Unabhängigkeit; bei den Demokraten sind es nur 24 Prozent.

56 Prozent der europäischen Befragten wünschen sich eine starke US-Führung in der Welt. Unter den Deutschen ist diese Fraktion seltsamerweise noch größer: 60 Prozent (minus drei Prozentpunkte im Vorjahresvergleich). Noch etwas mehr Vertrauen setzen die Polen in die USA: Hier liegt der Wert bei 61 Prozent, mit einem Zuwachs von elf Prozentpunkten im Vergleich zu 2013. Der aktuelle Ukraine-Konflikt und die einseitige mediale Berichterstattung dürften hierbei durchaus eine große Rolle gespielt haben.

70 Prozent der deutschen Befragten haben der Umfrage zufolge keine gute Meinung von Russland. 59 Prozent gaben an, eine starke russische Führungsrolle sei nicht wünschenswert. Im Vorjahr lag dieser Wert jedoch noch um 10 Prozentpunkte höher als heute. Russland konnte damit etwas Boden gutmachen.

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks macht sich der Kampf in der Ostukraine augenscheinlich bemerkbar: 70 Prozent der befragten US-Bürger wünschen, dass die EU auf internationaler Bühne eine starke Rolle spielt (plus 13 Punkte im Vergleich zu 2013). Ihrerseits wünschen sich dies 73 Prozent der Europäer. Damit zeigt es sich, dass die EU auf beiden Seiten des Atlantiks zumindest in außenpolitischen Belangen durchaus Vertrauen zu besitzen scheint, zumal die Europäer nicht ganz so aggressiv vorgehen wie die USA.

Eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine befürwortet eine Mehrheit der US-Amerikaner (68 Prozent). Die Europäer sind unentschieden: 46 Prozent dafür, 47 Prozent dagegen (67 Prozent der Deutschen sind dagegen). Eine mögliche EU-Mitgliedschaft der Ukraine können sich 52 Prozent der Befragten Europäer vorstellen, während 43 Prozent dies ablehnen (Deutschland: 63 Prozent Ablehnung).

In Russland zeigt sich ebenfalls ein interessantes Meinungsbild: 83 Prozent der befragten Russen bewerten das generelle außenpolitische Vorgehen der eigenen Regierung durchaus positiv. 64 Prozent der Russen haben keine gute Meinung von der Ukraine; ganze 72 Prozent der Befragten sehen die USA und immerhin 52 Prozent die EU negativ.

So interessant diese Umfrage auch ist, so darf man nicht außer Acht lassen, dass es sich hierbei um ein Werk einer transatlantischen Organisation handelt und diese durchaus tendenziös durchgeführt worden sein könnte. Dennoch ergibt sich daraus ein gewisses Stimmungsbild, welches auch von der Art der medialen Berichterstattung beeinflusst wurde. Umso wichtiger ist es, dass gerade die alternativen Medien eine deutlich größere Reichweite erhalten und damit ein Gegengewicht zur alltäglichen medialen Propaganda bilden können.

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2 thoughts on “Transatlantische Umfrage: Deutsche werden immer US-kritischer”

  1. …daß die Deutschen gegenüber den Amerikanern immer skeptischer werden ist ja wohl kein Wunder.Die USA wird von einer geldgeilen Gruppe von Idioten geführt bei denen die Menschen keine Rolle spielen.Es zählt nur der Mamon,ob die Menschen verrecken oder die Erde verseucht wird ist egal.Sowie seinerzeit die Nazis,bis zum Kriegseintritt mit Waffen und Geld versorgt,so wird im der ganzen Welt täglich Hass geschürt Unwahrheiten verbreitet.
    Das wissen mittlerweile immer mehr Deutsche und andere Nationalitäten.Nur unsere Regierung merkt es nicht oder bekommt einiges vom Kuchen ab.

    1. "Zugleich haben gerade noch 58 Prozent der Deutschen eine positive Meinung von den USA"

      …Da kann man mal sehen, das viele Deutsche (59%) sich falsch informieren, oder sich verschaukeln lassen….Herrausgeber:…Medien und Politiker!!

      "70 Prozent der befragten US-Bürger wünschen, dass die EU auf internationaler Bühne eine starke Rolle spielt"

      Jooo…Die haben auch eine Bildunslücke..die wissen doch nicht einmal wo Europa liegt.

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