Für die politischen Fehler der Vergangenheit muss bezahlt werden. Wenn es nach dem griechischen Premierminister Antonis Samaris geht, jedoch mit deutlich niedrigeren Zinsen. Merkel wird wohl einlenken, da die Schuldenlast Griechenlands erdrückend ist und nur eine massive Senkung der Zinssätze einen Lichtblick für das finanziell marode Land bieten kann.

Von Marco Maier

Antoni Samaras, der Premierminister Griechenlands, befindet sich auf Besuch bei Bundeskanzlerin Merkel in Berlin. Grund seiner Reise ist der Wunsch nach deutlichen finanziellen Erleichterungen für das krisengeplagte Land. Am liebsten wäre ihm ein umfangreicher Schuldenschnitt, was Merkel den Troika-Partnern und den eigenen Wählern jedoch kaum verkaufen können wird. Wahrscheinlicher ist eine Ausdehnung des Rückzahlungszeitraums und eine Senkung der Zinssätze.

Viele Jahre lang schöpfte man in Griechenland aus dem Vollen. Ein korruptes System der Vetternwirtschaft sorgte für einen aufgeblähten Staatsapparat, Steuerhinterziehung ohne Ende und eine Selbstbedienungsmentalität. Als sich Griechenland dann auch noch mit höchst fragwürdigen Praktiken in die Eurozone schmuggeln konnte und plötzlich sowohl die Inflation als auch die Zinssätze für Kredite sanken, gab es in Sachen Verschuldung kaum ein Halten mehr.

Doch nach dem Vollrausch kam der Kater. Umfangreiche Entlassungswellen, Lohnkürzungen und Steuererhöhungen ließen die Wirtschaft beinahe völlig kollabieren. Dann kam ein Schuldenschnitt und die schrittweise Umschuldung von den privaten Gläubigern zu den Staaten der Eurozone und dem IWF. Ganze 240 Milliarden Euro pumpte die "Troika" ins System, rettete damit Banken und Hedgefonds – und übernahm dafür das Risiko des totalen Zahlungsausfalls auf Kosten der Steuerzahler. Doch für die niedrigeren Zinsen verlangte die Troika umfangreiche Reformen.

staatsverschuldung-von-griechenlandMit Ende des Jahres erhält Griechenland keine Finanzhilfen mehr aus Brüssel und muss sich dann komplett auf den Finanzmärkten refinanzieren. Die privaten Geldgeber verlangen zwar höhere Zinsen als die Geldgeber der Troika, jedoch keine weiteren Entlassungen, Steuererhöhungen oder sonstige Schritte. Doch bei einer (offiziellen) Staatsverschuldung von rund 175 Prozent der Wirtschaftsleistung ist jeder Prozentpunkt mehr an Zinskosten eine Frage von mehreren Milliarden Euro. Das ist viel Geld, welches Athen jedoch angesichts der weiterhin äußerst angespannten wirtschaftlichen Lage immer noch nicht hat und wohl noch für längere Zeit mit neuen Krediten bedienen muss.

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Wer auch nur annähernd mathematische Grundsätze beherrscht, der weiß, dass Merkel dem Ansinnen ihres griechischen Amtskollegen – eine Senkung der Zisnsätze für die Schulden Griechenlands bei den Troika-Gläubigern – nur wenig entgegensetzen kann. Für beide Seiten kann dieser Schritt nämlich die sinnvollste Lösung sein, das "griechische Problem" längerfristig zu lösen. Eine anhaltend hohe Zinslast treibt das südeuropäische Land nämlich in den Staatsbankrott, so dass die Geldgeber unter Umständen gar nichts mehr bekommen und Griechenland für Jahrzehnte auf das Niveau eines afrikanischen Entwicklungslands gedrückt wird.

Niedrigere Zinssätze sind für Merkel & Co deutlich einfacher zu verkaufen als ein direkter Schuldenschnitt, bei dem die Troika auf einen Schlag auf mehrere Milliarden Euro verzichtet. So fließt weiterhin Geld aus Athen in die Kassen von IWF, ESM und EZB, auch wenn es weniger als ausgemacht ist. Samaras wäre ein Schuldenschnitt selbst natürlich deutlich lieber, da er dies innenpolitisch besser verwerten könnte – doch jeder Prozentpunkt an Zinsen auf den die Troika verzichtet bringt dem griechischen Staatshaushalt bis zu 2,4 Milliarden Euro mehr an finanziellem Spielraum. Sollte noch eine Verlängerung des Rückzahlungszeitraums drin sein, was sich Samaras erhofft, könnte dies noch mehr Erleichterung bringen.

Nun liegt es an der deutschen Bundeskanzlerin, den IWF, die EU-Kommission und die EZB zu überzeugen und den Griechen den Weg in eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Doch auch die Griechen müssen sich damit abfinden, dass der Staat kein Selbstbedienungsladen ist, wenn sie nicht in einem riesigen Armenhaus leben wollen.

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One thought on “Samaras bei Merkel: Schuldenschnitt und Zinssenkung für Griechenland?”

  1. Was soll dass Gestotter.

    Die Griechen sind pleite und bleiben es.

    Die einzige Gemeinsamkeit die die EU-Staaten haben ist, dass keiner von diesen die Absicht hat, seine Schulden zurück zu bezahlen.

     

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