Paramilitärs: Polen und die „grünen Männchen“

Während man in Deutschland oder Österreich damit beschäftigt ist, die Zivilbevölkerung weitestgehend zu entwaffnen, geht man in Polen einen anderen Weg. Die schon bestehenden paramilitärischen Einheiten sollen nun aufgewertet und in die Landesverteidigung miteinbezogen werden.

Von Marco Maier

Der Chef des polnischen Büros für Nationale Sicherheit (BBN), General Stanislaw Koziej, trifft sich in der kommenden Woche mit Vertretern paramilitärischer Organisationen, die angesichts der angespannten politischen Lage in Osteuropa die Gründung einer Freiwilligenarmee fordern. Das berichtete heute die polnische Zeitung "Rzeczpospolita". Koziej nimmt auch an den Manövern teil, die an diesem Wochenende stattfinden. In Ostrowiec Swietokrzyski werden rund 250 Vertreter paramilitärischer Gruppierungen aus ganz Polen Elemente des Guerilla-Kriegs trainieren. Das Szenario der Manöver sieht eine Auseinandersetzung mit sogenannten "grünen Männchen" vor, also unmarkierten Militäreinheiten, wie sie angeblich auch in der Ostukraine im Einsatz waren.

Koziej betonte im Gespräch mit der "Rzeczpospolita" die Notwendigkeit der Einbeziehung der paramilitärischen Organisationen in das Verteidigungssystem des polnischen Staates. Seiner Ansicht nach ist das hinsichtlich der Verstärkung der strategischen Widerstandskraft Polens auf unkonventionelle Aggressionsformen, wie der "Hybrid-Krieg", mit dem man in der Ukraine zu tun habe, besonders wichtig.

Experten zufolge hat Polen ein großes Potenzial für die Gründung einer organisierten freiwilligen Landesverteidigung. Die Zahl der Menschen, die in Polen in paramilitärischen Organisationen tätig sind, wird auf mindestens 600.000 geschätzt. So gehören alleine der am meisten bekannten "Bewegung der Nationalverteidigung" rund 40.000 aktive und ehemalige Soldaten, Polizisten, aber auch Zivilisten an. Damit beträgt die Zahl der Paramilitärs rund das Fünffache der Stärke der regulären polnischen Streitkräfte, die in etwa 120.000 Mann umfassen.

Angesichts der wachsenden antirussischen Tendenzen in Polen wollen immer größere Teile der Bevölkerung die Paramilitärs stärken. Selbst kleine und mittlere Unternehmen haben laut Unternehmerverband ZZP angegeben, derartige Organisationen gründen und finanzieren zu wollen. Polen wird damit zusehends zu einem militaristisch geprägten Staat.

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2 Kommentare

  1. Die Massaker der roten Armee sind noch gut im Gedächtnis der Polen. Die neueren Eroberungszüge der Russen auf der Krim und in der Ostukraine machen ihre Angst sehr verständlich. Keine Wunder, dass sie massiv aufrüsten  Eine antirussische Tendenz hat wohl jeder, der 1+1 zusammenzählen kann. Das ist kein polnisches Phänomen.

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