Konzerne und private Anleger horten mehrere Billionen Dollar an liquiden Reserven. Unsummen, die investiert werden wollen aber bislang keine passende Anlagemöglichkeit fanden. Damit ist die Kapitalkonzentration wieder einmal an einem gefährlichen Punkt angelangt. Die Umverteilung von unten nach oben wirft angesichts des vielen Kapitals "zu wenig" Rendite ab.

Von Marco Maier

Weltweit macht sich die finanzielle Konzentration bemerkbar. Konzerne wachsen vor allem durch die Übernahme anderer Firmen und die großen Anteilseigner investieren ihre Dividenden, um damit noch mehr Geld zu erhalten. Indessen bröselt die Mittelschicht zusammen und die immer weiter wachsende finanzielle Unterschicht kämpft ums Überleben. Grenzenlose globale Kapitalverschiebungen machen dies möglich.

Berechnungen von Thompson Reuters zufolge besitzen die 5.100 größten Unternehmen der Welt sage und schreibe 5,7 Billionen Dollar an liquiden Mitteln. Kapitalbeteiligungsgesellschaften horten demnach weitere 1,5 Billionen Dollar für ihre Investoren. Dieses Geld – es würde ausreichen um jedem Menschen dieser Erde knappe 1.000 Dollar zu geben – sammelte sich an, weil die globalen Geldströme infolge der Übermacht der Konzerne direkt in deren Kassen fließen. Wie sehr das ganze "Investorenwesen" pervertiert ist, zeigt folgendes Zitat aus der FAZ:

„Von absoluten Renditevorgaben wie etwa den vor einigen Jahren noch vielzitierten 25 Prozent sind wir inzwischen abgekommen“, sagt BC-Partners-Chef Zuschke. „Wenn wir eine Brutto-Rendite von 20 bis 22 Prozent erwirtschaften, ist das schon nicht schlecht. Davon ziehen wir noch die Kosten ab, also unsere Managementgebühren von ein bis zwei Prozent und eine Gewinnbeteiligung.“ 13 bis 14 Prozent verblieben danach in der Regel beim Investor. Verglichen mit den Renditen, die Anleger zurzeit von anderen Anlageformen erwarten können, ist das immer noch eine ganze Menge.

Großanleger erhalten also abzüglich der Gebühren und der Gewinnbeteiligung der Anlagefirmen mit 13 bis 14 Prozent ein Vielfaches dessen, was die vielen Kleinanleger für ihre Ersparnisse erhalten. So braucht man sich nicht zu wundern, wenn die globale Vermögensverteilung immer schlimmere Ausmaße annimmt. Je mehr Finanzkapital im Vergleich zur Wirtschaftsleistung existiert, umso größer wird der von Dividenden und Gewinnen beanspruchte Anteil der erbrachten Leistung. Wer von Lohnzahlung zu Lohnzahlung lebt, kann eben nicht in die Aktienmärkte investieren und seinen Teil der unternehmerischen Gewinnausschüttung erhalten.

In einer gesunden Wirtschaft, in der vor allem kleine und mittelständische Betriebe den Ton angeben und große Unternehmen mit breiter Aktionärsstruktur lediglich aus rein wirtschaftlichen Gründen wie den Forschungs- und Entwicklungsbereich existieren, gäbe es diese finanziellen Verwerfungen nicht in diesem Ausmaß. Das Geld würde vermehrt zirkulieren, anstatt in den Händen einiger weniger Menschen zu einem Druckmittel zu avancieren, da eine breite Bevölkerungsschicht nicht nur von Löhnen oder Gehältern abhängig wäre.

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Umso wahnsinniger ist es, dass die Konzerne und Investoren über 7 Billionen Dollar an frei verfügbaren Kapitalreservern besitzen, mit denen sie ihre finanzielle Übermacht noch weiter ausbauen können. Eine Übermacht, die jetzt schon zu einer Inflation an den Finanzmärkten geführt hat, und über Umwege die Realwirtschaft inklusive der öffentlichen Haushalte massiv unter Druck setzt. Steuern gibt es nämlich beinahe nur noch bei den "unteren 90%" der Menschen und Unternehmen abzugreifen, während es sich die wirklichen "Kaliber" mittels internationaler Strukturen schon irgendwie richten.

Nun stellt sich die Frage, wie das Ganze noch weitergehen soll. Dass man mit Einsatz und Wagemut auch zu Wohlstand kommen kann, sollte wohl absolut außer Frage stehen. Doch ohne Regeln und Grenzen, wie es derzeit der Fall ist, kommt es zu solchen unerfreulichen Entwicklungen, wo wenige zehntausend Menschen mit ihren Unternehmen und anderen Vermögenswerten quasi das Geschick der Erde bestimmen. Wie weit soll das noch gehen?

 

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One thought on “Kapitalkonzentration: Die 7-Billionen-Dollar-Frage”

  1. "Nun stellt sich die Frage, wie das Ganze noch weitergehen soll."

    Nun, so geht es weiter:
    "Der große Ausverkauf: G20-Staaten beschließen massive Privatisierung":
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/09/22/der-grosse-ausverkauf-g20-staaten-beschliessen-massive-privatisierung/

    Dort wird dieses Geld "investiert" werden. Die Plünderung und Entrechtung der Völker geht "munter" weiter und ist noch lange nicht zu Ende. Das wird noch ein Heulen und Zähneklappern geben. Aber offensichtlich ist das notwendig, damit die Schlafschafe insbesondere in Deutschland endlich aufwachen.
    Und sie werden dann aufwachen, wenn durch PPP die Löhne weiter sinken und diese auf höhere Gebühren treffen, TTIP, CETA und TISA unter Dach und Fach sind und damit die Sozial- und Arbeitsstandards endgültig zerschossen werden.
    Nur, dann ist es wohl zu spät, nicht wahr? Wieder einmal …
    LG Traumschau

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