EZB-Direktor Mario Draghi. Bild: Wiki Commons / WEF CC-BY-SA 2.0

Mit der neuerlichen Senkung des europäischen Leitzinses von 0,15 auf 0,05 Prozent und dem avisierten Kauf von Kreditderivaten zur Bekämpfung der drohenden Deflation und Ankurbelung der Wirtschaft, offenbart sich EZB-Chef Draghi als Verzweiflungstäter. Denn Europa braucht keine billigen Kredite, sondern endlich Löhne von denen die Menschern eine Familie versorgen können.

Von Marco Maier

Eigentlich war der gestrige Schritt mehr symbolischer Natur. Ob der Leitzins nun bei 0,15 oder 0,05 Prozent liegt, macht nicht wirklich etwas aus. Ebenso die Erhöhung der Strafzinsen für Bankeinlagen bei der EZB von -0,1 auf -0,2 Prozent ist nur ein kleiner Motivator für die Kreditvergabe. Eine Wirtschaft die kaum Wachstumsperspektiven hat, wird auch keine Kredite für Investitionen in Anspruch nehmen. Doch das scheint man in den Glaspalästen geflissentlich zu ignorieren.

Das billige Geld hat nur einen Effekt: es fließt vor allem in die Finanz- und Immobilienmärkte wo es für inflationäre Tendenzen sorgt, während die Auswirkungen dessen der Realwirtschaft höhere Kosten aufbrummt. Teurere Grundstücke und Immobilien (inkl. Mieten) sind nicht gerade hilfreich, wenn es um eine Belebung der Konjunktur geht. Unternehmen und Menschen müssen den Preis für das unablässig wachsende Spekulationskapital bezahlen, während für die Befriedigung der alltäglichen Bedürfnisse immer weniger Geld übrig bleibt.

Auch der geplante Kauf von Kreditderivaten – den berüchtigten Asset Backed Securities (ABS) – ist ein gewagter Schritt. Damit übernimmt die EZB von den Geschäftsbanken gewaltige Risiken, die unter Umständen zum Kollaps der gesamten Eurozone führen könnten. Zu glauben, irgendwelche Vorschriften und Kontrollmechanismen würden einen Schutz bieten, ist ein Irrtum. Alleine während der Maßnahmen zur "Eurorettung" während der letzten Jahre kam es zu einigen Vertragsbrüchen und einer äußerst laxen Auslegung von Vorschriften. Das wird sich kaum ändern.

Schlussendlich kann sich die Eurozone nur dann aus dem konjunkturellen Jammertal hochkämpfen, wenn jenen drei Vierteln an Menschen die nicht zu den Gutverdienern gehören, genügend Geld übrig bleibt. Wenn sich nicht mehr so viele Menschen fragen müssen, warum am Ende des Geldes noch so viel Monat da ist. Selbst die Idee, jedem Menschen in der Eurozone 1.000 Euro in die Hand zu drücken wäre effektiver und weniger gefährlich als das, was die EZB derzeit abzieht.

Schlussendlich jedoch zeigen die Verzweiflungstaten Draghis und der EZB-Banker nur, dass sich das herrschende Wirtschafts- und Finanzsystem trotz immensem Selbsterhaltungstrieb seinem Ende nähert. Nach der Krise ist nämlich auch nur vor der (nächsten) Krise. Und diese kommt bestimmt.

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