Bye Bye Washington: Ein Viertel der US-Bürger für Sezession ihres Bundesstaats

Anlässlich des schottischen Unabhängigkeitsreferendums wurde in den USA eine Umfrage durchgeführt, ob die Menschen dort eine Abspaltung ihres Bundesstaats von den USA begrüßen würden. Das Ergebnis: 23,9 Prozent der US-Bürger sprechen sich für die Sezession aus. Mit ein Grund dafür dürfte das innenpolitische Versagen Washingtons sein.

Von Marco Maier

Bislang konnte man solche Ergebnisse für eine Sezession eher in Texas erwarten, welches generell als ziemlich kritisch gegenüber Washington gilt. Heute, nach der großen Wirtschaftskrise und der mangelhaften Problemlösungskompetenz der Washingtoner Politkaste, sieht die Lage etwas anders aus. Erst vor wenigen Monaten ließen sezessionistische Kräfte aufhorchen, die sich in insgesamt 36 Bundesstaaten formierten und ihren Bundesstaat in die Unabhängigkeit führen wollen. Diese erhalten nach anfangs eher verhaltener Zustimmung nun immer größeren Zulauf.

Bei der Umfrage wurden 8.952 Personen im gesamten US-Bundesgebiet befragt, die sich zu 23,9 Prozent sehr oder eher für eine Unabhägigkeit ihres Staates von den USA aussprechen. 53,3 Prozent der Befragten hingegen sprechen sich für den Erhalt der Union aus.  Dabei zieht sich die Zustimmung einer Abspaltung quer durch die Parteien und Regionen. Allerdings können sich Anhänger der Republikaner und die Einwohner der eher ländlich geprägten Westens stärker mit einer Loslösung von Washington arrangieren als die Demokraten und die Einwohner der nordöstlichen Bundesstaaten.

Der zunehmende soziale Zerfall der Vereinigten Staaten macht sich eben langsam auch politisch bemerkbar. Einer Studie nach verdienen die US-Haushalte heute immer noch weniger als vor der großen Krise 2008, wobei es vor allem die Schwarzen besonders hart trifft. Das durchschnittliche Einkommen von Weißen vor Steuern und Sozialleistungen ist um acht Prozent gewachsen, während die Einkommen aller anderen Ethnien im Schnitt um elf Prozent gefallen sind. In Washington sorgt man sich vor allem um die Großkonzerne und die finanzielle Oberschicht, die auch die Wahlkämpfe der Politiker finanzieren.

Besonders interessant ist der Umstand, dass die deutschsprachige Medienlandschaft von dieser Meldung kaum Notiz nahm. Ein drohender Zerfall der Supermacht USA passt wohl nicht sonderlich ins politische Schema der hiesigen Transatlantiker. Und das, obwohl sonst selbst uninteressante Meldungen von Reuters gleich veröffentlicht werden.

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