Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Bild: IRNA

Zwar leidet der Westen gewaltig an der Isolationitis gegenüber Russland, doch wenn es um den selbst verursachten Terror geht, wollen die Kriegsfanatiker auf beiden Seiten des Atlantiks offenbar nicht auf die Hilfe Moskaus verzichten. Insbesondere die guten Beziehungen Russlands zum Iran und zu Syrien spielen hierbei scheinbar eine große Rolle.

Von Marco Maier

Unter Führung der USA beteiligen sich nun rund 30 Staaten an der sogenannten „Anti-Terror-Koalition“, die gemeinsam die marodierenden Milizen des „Islamischen Staates“ (IS) im Irak und in Syrien mit „geeigneten Maßnahmen“ bekämpfen wollen. Es blieb jedoch offen, was darunter genau zu verstehen ist. “Iraks Kampf gegen die Terroristen ist auch unser Kampf”, sagte Frankreichs Präsident Francois Hollande nach dem Treffen in Paris. Dass die Führung der IS-Organisation von Agenten des Mossad und der CIA unterwandert ist, scheint die teilnehmenden Staatsführer jedoch nicht zu interessieren.

Sehr interessant: US-Präsident Barack Obama hat auch Russland in diese neue Anti-Terror-Koalition mit eingebunden. Hatte der Herrscher des Weißen Hauses noch vor einigen Wochen gesagt, Russland wäre in der Welt isoliert und eigentlich nicht mehr als eine Regionalmacht, markiert die Teilnahme Russlands an der internationalen Konferenz in Paris doch eine Kehrtwende der bisherigen Politik. Begründet werden kann dies damit, dass Moskau äußerst gute Beziehungen mit Teheran und Damaskus unterhält. So kritisierte Russlands Außenminister, Sergej Lawrow, die fehlende Einladung Syriens und des Irans an dieser Konferenz.

Die Schaffung eines gemeinsamen Feindes in Form des „Islamischen Staates“, der ein sich über Teile des Iraks und Syriens erstreckendes Kalifat ausrief, sollte nach der Marginalisierung des CIA-Unternehmens „Al-Quaida“ dafür sorgen, dass die USA als „globale Schutzmacht“ wieder Anerkennung findet. Immerhin litt das Vertrauen in die US-Politik weltweit unter den von Edward Snowden aufgewirbelten Spionageskandalen, so dass Washington neue Rechtfertigungsgründe für ihre militärische Omnipräsenz und den umfangreichen Überwachungsapparat brauchte. Die Diskreditierung des Islams durch mordende Fanatiker passt angesichts des Wegfalls der einstigen „kommunistischen Bedrohung der freien Welt“ eben immer noch ins geostrategische Konzept.

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Interessanterweise scheinen sich die Sunniten dafür besser vor den „Terror-Karren“ spannen zu lassen als die Schiiten, obwohl der Iran seit der islamischen Revolution und der Flucht des US-freundlichen Diktators Shah Reza Palewi zum Erzfeind der USA wurde. Liegt das vielleicht auch daran, dass die sunnitisch-arabischen Herrscher stets irgendwie ein Naheverhältnis zu Washington hatten? Doch mit den aufgehetzten Fanatikern, die sich der Al-Quaida oder dem Islamischen Staat anschließen, öffneten die westlichen Geheimdienste stets neue Büchsen der Pandora. Was nützt ein Kader von CIA- und Mossad-Agenten, wenn die mittleren und unteren Ebenen ihr eigenes Ding durchziehen und sich somit auch zunehmend der Kontrolle der „Zauberlehrlinge“ entziehen?

Sicher, Moskau wird als Zeichen einer auf Entspannung ausgerichteten Politik das Angebot des Westens annehmen und sich an diesem Kampf beteiligen, zumal die Islamisten schon Terrorakte auf russischem Territorium ankündigten. Doch indem es sich der Führung der USA unterwirft, welche diese Bedrohung erst geschaffen haben, spielen die Russen genau jenes Spiel, welches man in den Geheimdienstzentralen vorgegeben hat. Eine direkte Einbindung Syriens unter alewitischer Führung und des Irans unter schiitischer Führung würde wohl zu große Komplikationen mit den sunnitisch-arabischen Verbündeten verursachen, so dass der „Umweg“ über Moskau lediglich eine logische Folge ist, um die ganze Region in den neuen Anti-Terror-Krieg hineinzuziehen.

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