Die Brüsseler Drohungen gegenüber den lateinamerikanischen Ländern bezüglich der geplanten Handelsabkommen zur Belieferung des russischen Marktes mit Lebensmitteln lassen die die Staaten jenseits des Atlantiks kalt. Alle betroffenen Staaten wollen am Ausbau der Handelsbeziehungen mit Russland festhalten.

Von Marco Maier

In Südamerika will sich niemand vorschreiben lassen, mit welchen Ländern man Handel treibt oder nicht. So fallen die jüngsten Drohungen aus Brüssel (wir berichteten) bei den Regierungen und Unternehmen der betroffenen Länder nicht auf fruchtbaren Boden. Chilenische Produzenten bereiten demnach schon die Lieferung von Trockenpflaumen, Lachs, Äpfeln und anderen Produkten vor. Auch in Ecuador freut man sich über die neuen Exportchancen. So findet der ecuadorianische Präsident Rafael Correa deutliche Worte. Ecuador werde "absolut niemanden um Erlaubnis bitten, um Nahrungsmittel an befreundete Länder zu liefern", so der Präsident.

Der brasilianische Landwirtschaftsminister Seneri Paludo bezeichnete das Interesse Russlands gar als "Revolution bei den Exporten". Mindestens 90 brasilianische Unternehmen sollen demnach Russland mit Fleisch von Schweinen, Rindern und Hühnern beliefern. Auch Argentinien, welches derzeit mit massiven wirtschaftlichen Problemen kämpft, will mit seinen Produkten den russischen Markt erobern und damit für positive Impulse in der eigenen Wirtschaft sorgen.

Es zeigt sich, dass das Diktat der westlichen Industrieländer für immer mehr Staaten dieser Welt kaum mehr eine Rolle spielt. Jahrzehntelang waren viele Volkswirtschaften von Europa und Nordamerika abhängig, doch die neue multipolare Weltordnung, in der Staaten wie China und Russland eine immer wichtigere Rolle spielen, eröffnen den aufstrebenden Ländern neue Möglichkeiten. Es scheint, als ob sich Lateinamerika zusehends emanzipiert und sich endlich nicht mehr dermaßen von den Interessen der Amerikaner und der Europäer leiten lässt.

2 KOMMENTARE

  1. Freut mich! So erhält Argentinien einen umfassenderen Zugang zum europäischen Markt und die Russen können die entsprechenden Produkte geniessen. Der weltweite Warenaustausch wird auf diese Weise neu gemischt. Spontane und reaktive Anpassung war und ist seit je her die grösste Kraft des Überlebens. Die WTO kann baden gehen oder sich gleich ganz abschaffen.

    Die USA sollte sich mal zuerst um ihren eigenen politischen und gesellschaftlich desolaten Schlamassel kümmern.
     

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