Europa als fruchtbarer Nährboden für islamistische Milizionäre ist eine Tatsache, die lange Zeit nur am Rande Beachtung fand. Insbesondere die in Folge von schlechter Ausbildung und der durch die Wirtschaftskrise grassierende Arbeitslosigkeit desillusionierten Jugendlichen fanden bei den Hasspredigern radikaler Gruppierungen einen neuen Lebenssinn. Die Folge: Gewaltaufrufe im Internet und Jihad-Tourismus.

Von Marco Maier

Die Konflikte in Syrien, im Irak und in Palästina werden nicht nur vor Ort ausgetragen, sondern zunehmend auch in Europa. Obwohl sich viele Muslime gegen Gewaltakte aussprechen und eine friedliche Lösung der Konflikte wünschen, freunden sich immer wieder einige von ihnen mit den radikalen Ideologien islamistischer Gruppierungen wie dem "Islamischen Staat" und der Hamas an. Hass und Gewalt werden zunehmend zu einem Ventil jener Jugendlichen, die darin offenbar einen Weg aus der Opferrolle sehen.

In Onlineforen und auf Facebook finden sich insbesondere seit der medialen Bekanntmachung der zu Zehntausenden vor den Milizen des "Islamischen Staates" (IS) flüchtenden Jesiden, einer religiösen Minderheit im Irak, immer mehr Gewaltaufrufe gegen die als "Teufelsanbeter" diffamierten Menschen. Allein im kleinen Österreich soll es Schätzungen zufolge rund 500 Personen geben, die mit den Hasspredigten der Islamisten sympathisieren. Angesichts der Todesdrohungen gegen die Jesiden, von denen rund 1.000 in Österreich leben sollen, eine nicht zu unterschätzende Gefahr

Doch es bleibt nicht nur bei Gewaltaufrufen und Drohungen. Einige der ideologisch verführten Jugendlichen aus Europa kämpfen inzwischen Seite an Seite mit islamistischen Milizen in Syrien und im Irak. Es soll sogar schon zu Fällen von "Jihad-Tourismus" gekommen sein: muslimische Menschen aus Europa fliegen für einige Wochen in die Kriegsgebiete um dort gegen die syrischen oder irakischen Regierungstruppen zu kämpfen.

Die westliche Politik, die mit ihren Eingriffen im Nahen und Mittleren Osten nur Chaos verbreitete, trägt eine massive Mitschuld an diesen Entwicklungen. Egal ob es es sich um den immer wieder aufkochenden Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern handelt oder die militärisch herbeigeführten Regierungswechsel (Libyen, Irak…) samt den nachfolgenden politischen Turbulenzen – sie alle sorgen erst für den Nährboden, in dem die Saat der Hassprediger aufgehen kann. Sowohl in den betroffenen Ländern und Regionen selbst, als auch hier mitten in Europa.

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Eine Lösung für dieses Problem der zunehmenden Radikalisierung muslimischer Jugendlicher ist allerdings nicht in Sicht. Insbesondere die schwierige wirtschaftliche Lage samt hoher Jugendarbeitslosigkeit, sowie die angespannte finanzielle Situation der meisten europäischen Staaten lassen hier kaum Spielraum. Hinzu kommen die Versäumnisse beider Seiten hinsichtlich der gesellschaftlichen Integration, wodurch sich weitere Bruchlinien ergeben. Parallelgesellschaften erleichtern die Situation nämlich nicht wirklich. Auch mit Aberkennungen von Staatsbürgerschaften und Aufenthaltstiteln, wie manche Politiker es vorschlagen, wird man keine Verbesserung erzielen.

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