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In Kiew betrachtet man die Unterzeichnung des wirtschaftlichen Teils des Assoziierungsabkommens mit der EU als Erfolg und einen Schritt zum besseren Leben nach westeuropäischem Maßstab. Von diesem Irrglauben haben schon andere geheilt werden müssen, und das geht meist nicht ohne Schmerzen ab. Und die Voraussetzungen der Ukraine sind besonders schlecht.

Von Florian Stumfall

Die europäische Integration verläuft nach politischen Regeln und Zielsetzungen, nicht nach wirtschaftlicher Vernunft. Wäre es anders, so könnte es nicht sein, dass in der Entwicklung begriffene Volkswirtschaften, etwa auf dem Balkan, oder solche die stagnieren, wie die ukrainische, in eine ökonomische Einheit mit Ländern wie Deutschland oder Österreich aufgenommen werden. Die Folgen sind indes bekannt: Versagen im Konkurrenzkampf, Schädigung der eigenen produzierenden Industrie, steigender Bedarf an Importen und damit hohe Kosten, Ansteigen der Arbeitslosigkeit, Rückgang des Lebensstandards und Verschärfung sozialer Probleme.

Im Falle der Ukraine liegen die Dinge von vorne herein gar nicht gut. Da ist zum einen der Finanzsektor, der sich einer großen Banken-Krise nähert. Das zweite Problem ist die Energie-Versorgung. Kiew ist auf Russland angewiesen, zahlt aber trotz hoher Schulden nach wie vor nichts für das russische Erdgas und fährt politisch noch dazu einen feindseligen Kurs gegen Moskau, auf dessen Geduld es angewiesen ist. Und zum dritten geht die Lebensmittel-Produktion rapide zurück. Die Ukraine, potentiell eine europäische Kornkammer, muss Lebensmittel einführen. Die EU wird diesen Zustand verschlimmern, wie unter anderen das benachbarte Rumänien zeigt. Dort und nicht nur dort hat Brüssel die Landwirtschaft ruiniert.

Kurz gesagt sieht die Ukraine einem Winter entgegen, in dem es weder Geld, noch Gas, noch Lebensmittel gibt. Dann kann sich Brüssel überlegen, wie es 54 Millionen Menschen so mitkommen lässt, dass diese aus ihrem illusionären Traum von der EU nicht erwachen. Andernfalls wären die ganzen Empörungen, die die EU von Griechenland bis Spanien provoziert hat, nur ein leises Wehen gegenüber dem, was dann auf dem Maidan zu sehen sein wird.

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