Südafrika: Streiks ohne Ende

Südafrikas Wirtschaft schwächelt. Da kommt der Streik von 220.000 Ingenieuren und Metallarbeitern höchst ungelegen. Die Leute verlangen eine Lohnerhöhung von zwölf bis 15 Prozent, die Arbeitgeber wollen nicht mehr als acht bezahlen. Der Streik ist zeitlich unbegrenzt und gilt als der größte, den das Land je erlebt hat. Er dürfte umso mehr Schwierigkeiten verursachen, als nur Tage zuvor nach fünf Monaten ein Streik der Bergarbeiter im sogenannten Platin-Gürtel beendet worden war.

Von Florian Stumfall

„Ich bin 50 Jahre alt, arbeite seit 30 Jahren für dieses Unternehmen und verdiene 2,72 US-Dollar pro Stunde“, beklagt ein Streikender vor einem Mikrophon der BBC. „Das ist eine Beleidigung für einen alten Mann wie mich.“ Ebenso sehen es die Funktionäre der NUMSA, einer Einzelgewerkschaft, die zum kommunistischen Dachverband der COSATU gehört. Sie wollen von ihrer Forderung nach 15 Prozent nicht lassen. Vorerst erschöpfen sich ihre Aktivitäten in Demonstrationszügen durch große Städte wie Kapstadt, Johannesburg und Durban. Noch hat es keine Ausschreitungen gegen Menschen gegeben, aber verschiedene Fälle von Vandalismus und Drohungen lassen erkennen, wie viel Gewaltpotential in der Luft liegt.

Für die NUMSA ist der Streik ein hochpolitischer Vorgang. Der Dachverband COSATU bildet seit 1994 zusammen mit der Regierungspartei ANC und der Kommunistischen Partei das politische Kraftzentrum des Landes. Doch nun geraten die Dinge in Rutschen. Bei der letzten Wahl hat die NUMSA bereits dem Staatspräsidenten und ANC-Kandidaten Jakob Zuma ihre Unterstützung entzogen – ein einmaliger Vorgang. Er spiegelt eine Entwicklung im ANC wider, die zu einer Spaltung der Partei führen könnte. Der linke Flügel will Gehör, Erfolg und Einfluss. Einige Exponenten haben die Partei schon verlassen. Es ist eine Frage der Zeit, bis eine andere Partei entsteht, die dem ANC Konkurrenz machen wird.

Dahinter steht die traurige Tatsache, dass von den Versprechungen des ANC schon aus den Zeiten des Nelson Mandela nichts übrig geblieben ist. Die meisten Schwarzen sind heute schlechter dran als damals, während sich eine kleine Clique schamlos bereichert. Kein Wunder, dass die Geduld der Menschen allmählich zu Ende geht. Ausdruck dafür sind die zunehmenden Streiks. Der jetzige kostet nach Angaben der Arbeitgeber pro Tag 20 Millionen Euro.

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