Obwohl Moskau mehrere Angebote unterbreitet hat, machen die amerikanisch-russischen Verhandlungen über die Raketen-Abwehr keinerlei Fortschritte. Dabei sind die Pläne der USA, einen Raketen-Abwehrschild zu errichten, der das strategische Gleichgewicht zerstören müsste, ein Hauptgrund für die Differenzen zwischen den beiden Ländern.

Von Florian Stumfall

Die NATO verlangt von Moskau, der einfachen Versicherung Glauben zu schenken, dass das Abwehrsystem nicht gegen Russland gerichtet sei, weigert sich aber im selben Augenblick, das auch verbindlich und schriftlich zu bestätigen. Doch so gravierend der Raketenstreit zwischen Moskau und Washington auch ist, er stellt nur ein Symbol dar für die grundlegende politisch-strategische Ausrichtung der USA.

Das Bewusstsein, dass der Kommunismus und damit die Sowjetunion den Kalten Krieg verloren hat, und dass Russland der Rechtsnachfolger der Sowjetunion ist, verleitet die USA zu einem schweren Fehler: Sie verweigern Russland die Anerkennung einer Großmacht vergleichbaren Gewichts (Obama: „Regionalmacht“), und danach richten sie ihre Politik aus. In Washington scheint die Überzeugung zu herrschen, dass man mit Russland in ähnlich kolonialistischer Weise verfahren könne, wie man das mit Europa macht.

„Ich bin davon überzeugt“, sagt Russlands Vize-Außenminister Sergej Rjabkow, „dass die Hauptursache all dessen (der schlechten Beziehungen) im Unwillen der USA liegt, die Realität so anzunehmen, wie sie ist.“ Und die sieht so aus: Die USA befinden sich im Niedergang, wirtschaftlich, technologisch, gesellschaftlich und damit insgesamt politisch. Verliert ihre Währung die Leitfunktion, ist das Land ruiniert. Russland dagegen hat die dunklen 90er Jahre der Jelzin-Ära überwunden und hat in verschiedenen Bereichen, so der Waffentechnik, die USA überrundet. Der Rubel schickt sich an, seinen internationalen Durchbruch zu lancieren.

"Vom Ausgang des Kalten Krieges", so Rjabkow weiter, „wird gefolgert, dass sich Moskau unterordnen, bei internationalen Beziehungen und im Verhältnis zur USA sich als Junior-Partner verhalten muss. Im Grund genommen wird unser Recht, nationale Interessen zu vertreten, in Abrede gestellt.“ Dazu gehört auch das wichtigste außenpolitische Instrumentarium der USA vor der Waffengewalt, das der Sanktionen. Mit Blick darauf sagt Rjabkow: „Wir haben es dabei mit einer Art von Offensivwaffen zu tun.“ Angewendet werden sie in einer Weise, als wären die USA anderen Ländern gegenüber weisungsbefugt, und diese verpflichtet, sich dem Diktat aus Washington unterzuordnen.

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One thought on “Russland: Die USA betreiben Realitätsverweigerung und leiden unter Größenwahn”

  1. Vertrauen ? Gab es damals nicht die Absprache von der Osterweiterung ? Es ist bekannt, wird geleugnet und weil man eben dem Westen vertraut hat sitzt jetzt die NATO vor Russlands Toren. Was außer einer Drohkulisse soll das sein ?

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