Die stets zu positiven Prognosen verheißen für Italien nichts Gutes. Das statistische Amt Italiens (Istat) revidierte seine ursprüngliche Erwartung für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes von bislang +0,6 auf "-0,1 bis +0,3 Prozent". Bis Jahresende dürfte der Wert – nach einigen weiteren Revisionen – wohl bei einem Minus von 1 bis 3 Prozent liegen.

Von Marco Maier

Italien ist und bleibt eines der größten Sorgenkinder der Europäischen Union. Nicht nur, dass das südeuropäische Land seine Staatsfinanzen einfach nicht unter Kontrolle bringt, auch die Wirtschaft muss ohne Wachstumsimpulse auskommen. Doch innerhalb des herrschenden Wirtschafts- und Finanzsystems ist selbst jede Phase der Stagnation ein Schritt zurück. Für Italien bedeutet diese wirtschaftliche Abwärtsspirale, dass das Land nicht nur weitere Belastungen im Staatshaushalt verkraften muss, sondern zudem noch mehr Arbeitslosigkeit und Armut.

Wirtschaftsminister Padoan erwartet zwar für das zweite Halbjahr eine "kräftige" Erholung der italienischen Wirtschaft, doch dies dürfte angesichts der düsteren Zahlen nicht mehr als Zweckoptimismus sein. In Sachen Kreditvergabe, die im aktuellen System für weiteres Wachstum unerlässlich ist, agieren die italienischen Banken angesichts einer Rekordsumme von rund 165 Milliarden Euro an faulen Krediten in deren Bilanzen mehr als nur geizig. Das Risiko, den Unternehmen angesichts der kritischen gesamtwirtschaftlichen Lage trotz des Niedrigzinsumfelds Geld zu leihen, ist für sie zu groß. Selbst die Maßnahmen der EZB dürften hier kaum positive Auswirkungen haben –  und wenn, dann nur mit größerer Verzögerung.

Wer investiert angesichts des deflationären Umfelds überhaupt noch in die Wirtschaft? Gerade der Binnenkonsum als Motor der Volkswirtschaft leidet unter der Verarmung ganzer Bevölkerungsschichten und Regionen. Ohne massive Rabatte bringen viele Händler ihre Waren nicht mehr los. Die hohe Steuer- und Abgabenquote von rund 44 Prozent des BIP (und das bei einer ausgeprägten Mentalität, Steuern zu "vermeiden"), sowie die überbordende Bürokratie tun ihr Übriges dazu, dass Italien aus unternehmerischer Sicht immer uninteressanter wird.

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