Nachdem der real existierende Sozialismus im Jahr 1990 den Geist aufgegeben hatte, stellte sich in der NATO die Sinnfrage. Denn bis dahin war es, jedenfalls in der Selbstdarstellung, ihr Sinnen und Trachten gewesen, die freie Welt vor dem Kommunismus zu schützen. Nachdem das obsolet geworden war, begann das Bündnis zwar einige Kriege und vernichtete dabei ein paar Länder, doch das war offenbar nicht genug. Jetzt, im neuen Streit mit Moskau, der sich an der Ukraine entzündet hat, läuft das westliche Kriegsbündnis zu neuer Form auf.

Von Andreas Beck

Der russische Auslandsexperte Sergej Osnobischew analysiert: „Nach dem Ende des Kalten Krieges hat die Nato versucht, eine neue Vorbestimmung für sich zu finden. Die Ukraine-Krise hat dem Nordatlantischen Bündnis neues Leben eingehaucht. Nun bekommt die Allianz die Möglichkeit, sich ihrer guten alten Mission zu näheren, bei der es sich um militärische Vorbereitungen handelt, wobei Russland als potentieller Gegner ins Visier genommen wird. Endlich bekommt die NATO genug Argumente, um ihre unersetzliche Rolle im Bereich der europäischen Sicherheit zu betonen, und zwar nicht irgendwo, sondern unmittelbar in Europa.“

Russlands Sorgen über die absprachewidrige NATO-Osterweiterung seien zwei Jahrzehnte lang ignoriert worden. Auf Moskaus Einwände werde immer wieder geantwortet, diese Erweiterung bedeute einen Ausbau der Demokratie und gefährde Russland keineswegs. Die absolut egoistische und kurzsichtige Politik der Allianz beziehe auch frühere Sowjetrepubliken mit ein. Osnobischew schreibt weiter, "die feierlich angekündigte Kooperation zwischen der NATO und Russland habe sich als Flop erwiesen. Diese Zusammenarbeit habe das russische Misstrauen der NATO gegenüber um keinen einzigen Grad gesenkt, und zwar wegen mangelnder realer Ergebnisse."

Nun werde die NATO-Spitze diese Lage für sich ausnutzen. Die Allianz werde voraussichtlich ein neues strategisches Konzept verabschieden, das keine Partnerschaft mit Russland mehr beinhalten werde. Zwar sei die NATO-Führung noch nicht bereit, eine Eindämmungspolitik gegen Russland offiziell zu bestätigen. Doch gewiße Maßnahmen seien künftig zu erwarten. Vermutlich werde Amerika beispielsweise den Abbau seiner Militärpräsenz in Europa aussetzen. Falls es zu keinem positiven Wandel in den Beziehungen mit Russland komme, werde die NATO zu einer Eindämmungspolitik übergehen. Eine militärische Konfrontation mit Russland werde man wieder als nicht unrealistisch betrachten. Auch eine weitere Reduzierung konventioneller Waffen in Europa werde in diesem Fall nicht mehr möglich sein, prognostiziert der Experte.

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here