Foto: Grauesel (CC-by-sa 3.0/de)

Man hört von ihm im allgemeinen nicht viel, denn er hat auch nicht viel zu sagen. Doch mit seinem Einwurf zum Nahost-Konflikt hat UN-Generalsekretär Ban Kim-moon recht, wenigsten tendenziell. „Der Generalsekretär glaubt nicht“, so lässt er durch seinen offiziellen Sprecher verlauten, „dass der andauernde und ernsthafte politische Streit zwischen den Israelis und den Palästinensern mit militärischen Mitteln einer der beiden Seiten geregelt werden kann.“ Das ist richtig in dem Rahmen der Vorstellbarkeit militärischer Kraftakte, wie man sie bisher erlebt hat. Doch damit ist die Skala der Eskalation nicht erschöpft.

Von Florian Stumfall

Dass sich die Möglichkeiten des Streits nicht in einem Raketen-Geplänkel von der einen zur anderen Seite und zurück erschöpfen, auch nicht in Scharmützeln durch Infanterie – und Panzer-Attacken durch die Israeli, nicht einmal durch eine denkbare Besetzung des Gaza-Streifens durch Israel und eine damit verbundene Vernichtung der Hamas, wird durch eine einfache Überlegung klar: die Palästinenser, die umliegenden arabischen Staaten und die arabische Welt insgesamt können noch beliebig viele Kriege gegen Israel verlieren, ohne ihre Existenz zu gefährden. Israel aber darf nicht einen verlieren, ohne von der Weltkarte zu verschwinden. Insofern hat Ban Ki-moon nicht recht: Täten sich alle Araber, ihrer eigenen Uneinigkeit und Ineffizienz uneingedenk, zusammen, und würden sie Israel in einer letzten Anstrengung auslöschen, so wäre der alte Streit militärisch geregelt – in einer Weise, die kein zivilisierter Mensch akzeptieren kann, wie sie aber auch in der Gegenwart geschieht, etwa durch die militärische Regelung der Verhältnisse in Libyen durch die Bomben der NATO.

Das erklärt irgendwie die aggressive Art und Weise, wie Israel mit seinen palästinensischen Nachbarn umgeht, im eigenen Land, im besetzten West-Jordan-Land und überall dort, wo der lange Arm der Israeli hinreicht. In Jerusalem weiß man, dass man unter einem Schwert lebt, doch man glaubt, mit dem Schwert dagegenhalten zu können. Das ist über 70 Jahre gutgegangen, nicht zuletzt wegen der bedingungslosen Unterstützung durch die USA.

Doch die Entwicklung in Nahost, der Aufschwung der Islamisten, die sich anbahnende Entfremdung Saudi Arabiens von den USA, die Rolle des Iran, die ungelöste Syrien-Frage, bringt es mit sich, dass Washington nicht weiterhin, durchgehend und unbedingt die Parteinahme für Israel zur Maxime ihrer Nahost-Politik machen kann.

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Entsteht aber bei den arabischen Staaten der Eindruck, die USA seien nicht mehr bereit, um jeden Preis für Israel einstehen, dann könnte der Augenblick kommen, in dem sie doch versuchen, wie Ban Ki-moon sagt, den „politischen Streit mit militärischen Mitteln“ zu regeln.  

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