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Die entscheidende Antwort auf die Frage nach den militärischen Erfolgen der ISIS im Irak, die sich nun „Islamischer Staat“ nennt, ist der Umstand, dass sich die islamistischen Kämpfer des Zuspruchs der sunnitischen Bevölkerung sicher sein können, in deren Wohngebieten sie agieren. Das gilt auch für staatliche Kräfte wie die Polizei. Daher ist die Regierung al-Maliki in Bagdad dringend auf ausländische Hilfe angewiesen, und daher haben die USA Kampfflugzeuge versprochen, und die Russen haben diese dann geliefert.

Von Florian Stumfall

Inzwischen hat die Regierung zunächst ihre eigene Luftwaffe eingesetzt – mit gewißem Erfolg. So hat sie verhindern können, dass ISIS die größte Raffinerie des Landes in Beidschi eingenommen hat. Bei dem Angriff wurden ungefähr 30 Islamisten getötet. Doch andererseits ist es ISIS gelungen, außer dem Grenzübergang Turabil zu Jordanien auch die Stadt Rutba an der strategisch wichtigen internationalen Verbindung zwischen Bagdad und Amman einzunehmen. Der irakisch-syrische Übergang Qaim ganz im Süden der gemeinsamen Grenze und vier weitere Städte in der Provinz Anbar im irakischen Westen fielen ebenfalls an ISIS.

Seit der Chef von ISIS, Abu Bakr al-Baghdadi, zum Kalifen ausgerufen worden ist, strömen den Kämpfern offenbar in erhöhtem Maße Freiwillige zu. Jedenfalls scheinen sie ihre Toten mehr als ersetzen zu können. Nicht aus Zufall fällt die Ausrufung des Kalifats mit der Änderung des Namens zusammen. Indem ISIS auf die Nennung von Syrien und der Levante verzichtet, vermeidet sie die Reduzierung ihres geographischen Anspruchs auf die genannten Länder. Der neue Name „Islamischer Staat“ ist weitaus umfassender, und dem historischen Anspruch trägt al-Baghdadi dadurch Rechnung, dass er alle Muslime zum Gehorsam auffordert.

Seine eigenen Geschäfte treibt indes der Präsident der kurdischen autonomischen Region im Norden des Irak, Massud Barsani, gut voran. Er, der soeben Besuch vom US-Außenminister Kerry bekommen hat, arbeitet an der Unabhängigkeit Kurdistans und sagt, wie dpa meldete, den Zerfall des Irak voraus. Das kurdische Parlament arbeite derzeit ein Referendum aus, erklärte er im Gespräch mit einer deutschen Sonntagszeitung, "Unabhängigkeit ist das natürliche Recht einer Nation", betonte er. "Bevor wir aber die Unabhängigkeit erklären, werden wir das Volk fragen." Mit Widerstand aus den USA rechne er nicht. Kerrys Besuch hat sich also für ihn ausgezahlt, die USA geben grünes Licht, was immer al-Maliki davon halten wird. Zum Verhältnis der irakischen Kurden zur Türkei versicherte er, dieses habe sich in der vergangenen Dekade enorm verbessert. „Wir werden der Türkei ein guter Nachbar sein“, versprach Barsani.

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