Der Abschuss der malaysischen Boeing über der Ostukraine überschattet alles, was der Bürgerkrieg sonst an Schrecken mit sich bringt. Neben dem Entsetzen über das Unglück, das fast 300 Menschen und dazu noch deren Angehörige und Freunde getroffen hat, wird natürlich die Frage nach der Ursache der Katastrophe laut. Die zu finden ist in der aufgeheizten Atmosphäre nicht ganz einfach.

Von Florian Stumfall

Für den ukrainischen Präsidenten Poroschenko ist alles klar. Es handelt sich hier um einen Terror-Akt und die Schuld tragen die Volksmilizen im Donezkbecken. Diese wiederum weisen den Vorwurf von sich. Obendrein gibt es in Kiew Übereifrige, die das Unglück den Russen zuordnen oder zumindest suggerieren wollen, der Abschuss sei von russischem Hoheitsgebiet aus erfolgt. Klare Beweise aber hat bislang noch niemand.

Also soll man versuchen, mit habhaften Argumenten zu hantieren. Da ist zuerst die Frage nach den technischen Voraussetzungen, die nötig sind, um ein Flugzeug in 10.000 Metern Höhe abzuschießen. Dazu eignet sich neben der russischen S 300 nur die ebenfalls russische Buk-Rakete. Das ukrainische Militär verfügt darüber – ob auch die Volksmilizen, darüber wird gestritten. Bezeichnenderweise ist es der ukrainische Generalstaatsanwalt Vitali Jarjoma, der beteuert: „Die Volkswehr-Milizen haben bei den Kampfhandlungen gegen die regulären Kräfte keine Fla-Raketenkomplexe erbeutet. Als das Passagierflugzeug abgeschossen wurde, teilten die Militärs dem Präsidenten mit, dass die Terroristen keine Raketensysteme der Typen Buk und S 300 von uns haben. Solche Waffen wurden nicht erbeutet“, erklärte Jarjoma in einem Interview für „Ukrainskaja Prawda“.

Sollte das zutreffen, so wäre das Problem bereits gelöst. Es ist unerfindlich, warum der Generalstaatsanwalt die Milizen entlasten sollte, wenn nicht deshalb, weil die Tatsachen nicht zu leugnen sind. Somit stellt sich die zweite Frage danach, ob der Abschuss beabsichtigt war oder nicht.

Der russische Militärexperte Igor Korotschenko hält es für möglich, dass eine Buk-Rakete durch die falsche Handhabung durch schlecht ausgebildete ukrainische Soldaten gestartet worden ist. „Unter Berücksichtigung der Verlegung zusätzlicher Mittel und Kräfte der ukrainischen Luftabwehr in den Osten der Ukraine dürfte bei der Überprüfung der Kampfbereitschaft der Anlagen kraft mangelnden beruflichen Könnens des Personals zu einem versehentlichen Start einer Rakete gekommen sein“, sagt Korotschenko.

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Sollte der Start hingegen Absicht gewesen sein, so stellt sich die Frage nach dem Motiv. Andrej Purgin, der Vizepremier von Donezk, hält es für möglich dass das ukrainische Militär die Boeing für ein russisches Spionageflugzeug gehalten haben könnte.

Auf einen völlig anderen Beweggrund stößt man, wenn man bedenkt, wie vielen Leuten der traurige Vorgang für ihre antirussische Propaganda gerade recht zu kommen scheint. In diese Kategorie gehört als erster Präsident Poroschenko. In diesem Lichte weckt das Unglück Erinnerungen an die Katastrophe von Lockerbie, wo ebenfalls eine Passagiermaschine abstürzte, dort durch eine Bombe an Bord. Man wies die Schuld damals einhellig den libyschen Staatschef Gaddafi zu – fälschlich, wie man heute weiß.

 

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3 thoughts on “Flugzeugabsturz MH17: Die Suche nach dem Schuldigen”

  1. Der Boeing sollte vom Boden durch die ukrainische Armee abgeschossen werden… tief im Gebiet, über dies es keine Kontrolle hat?

    „Als das Passagierflugzeug abgeschossen wurde, teilten die Militärs dem Präsidenten mit, dass die Terroristen keine Raketensysteme der Typen Buk und S 300 von uns haben. Solche Waffen wurden nicht erbeutet.“ Aus demselben Grund frage ich – wer sonst könnte die „Separatisten“ mit dieser Art von Waffen beliefern können? Warum stellt Ihr diese Frage nicht?

    Im Übrigen ist schon ein abgehörtes Gespräch aufgetaucht, in dem die (pro)russischen Einheiten ihren Befehlsgebern aus dem russischen GRU den Abschuss eines Zivilflugzeugs vermelden. Schon gehört?

    1. ….“tief im Gebiet usw“ – wohl in der Luft, nicht wahr? Und in der Luft hat die Ukraine sehrwohl die Kontrolle, oder wie soll sie sonst aus der Luft bombadieren.

      Die Frage ist, ob das Gespräch echt ist…..diese Meldung geistert ja seit gestern schon durch den Mainstreammedien – wer bestimmt ob es echt ist oder nicht, Poroschenko und seine SS-Regierung? Unglaubwürdig, kein Beweis! 

      1. Ironisch, dass ein Angehöriger eines Staates, dessen Bevölkerung ehemals Hitler als Machthaber gewählt hat, jetzt die Regierung eines anderen Staates als SS-Regierung bezeichnet, nur weil der Juniorpartner eine rechte Partei ist. Guck dir erstmals deine eigene Geschichte an bevor du andere Länder herabwärtend.

        Das war eins. Und zwei:

        Ich glaube nicht, dass die Ukrainer die Kontrolle über dieses Gebiet in der Luft haben. Ihre Flugzeuge wurden doch in den letzten Tagen von russischen Kampfjets abgeschossen. Unabhängig davon werde ich bei der Bezeichnung „vom Boden“ weiter festhalten.

        Drei. Hör dir vorherige Interviews mit den GRU-Offizier Igor Bezler alias Bes, einem der Anführer der „Volksrepublik“, Vergleich die Stimmen und schätze selber ein, ob die Aufnahme authentisch ist.

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