In München gibt es drei Orchester von internationalem Rang, unter ihnen die Philharmoniker. Wie das so üblich ist, wechseln bei solchen Klangkörpern dann und wann die Chef-Dirigenten, sodass weltweit ein musikalischer Ideenaustausch erfolgt. So ein Wechsel war bei den Münchnern fällig, und weil ein bedeutendes Orchester sich auch einen bedeutenden Dirigenten wünscht, fiel die Wahl auf den Russen Valerij Gergijew, eine Ausnahme-Erscheinung in seinem Fach, und der war auch gerne bereit. Doch damit fingen die Probleme erst an.

Von Florian Stumfall

Wer immer in München sich um politische Korrektheit bemüht, ob innerhalb des provinziellen Stadtrates oder außerhalb, und wer meint, er verstehe etwas von Musik und Politik oder beidem, befindet sich seit Wochen in einem Zustand anhaltend-erhöhter Empörung. Der Grund ist der designierte neue Chefdirigent aus Russland. Denn dieser bemüht sich nicht um politische Korrektheit, sondern hat zu Beginn des von den USA eingefädelten Ukraine-Konflikts wie zahlreiche andere Künstler auch eine Liste des Kultusministeriums unterschrieben, auf der sich die Signatare hinter ihren Staatspräsidenten stellten. Seither stört die mehrfarbigen Münchner Polit-Schicki-Mickis, was Gergijew angeht, die Fliege an der Wand. Da wird ihm übel genommen, dass er bei den Winterspielen in Sotschi bei der Eröffnungsfeier dabei war oder dass er Chef ist im neuen Marinskij-Theater in St. Petersburg, weil dieses Putin hat bauen lassen.

Und dann erst seine Äußerungen! Die Krise in der Ukraine gehe nur die Ukraine etwas an, die Krim sei nicht annektiert worden, sondern per Referendum an Russland gekommen, die Gesetze gegen Homosexuellen-Propaganda vor Kindern seien in Russland kein Gegenstand der Erörterung. Ja, nun wollen die Weltpolitiker im Münchner Stadtrat vorschreiben, worüber sich die Russen zu ereifern haben?

Gergijew hatte mit der finnischen Sopranistin Karita Mattila in New York ein gemeinsames Konzert geplant. Die Sängerin sagte ab, wegen Gergijews politischer Haltung. Der darauf: "Die Dame habe von Politik keine Ahnung, nicht die leiseste Idee, ihre Äußerungen seien ohne Bedeutung, sie solle lieber singen". Jetzt ist es ganz aus. Gergijew sei sogar persönlich geworden, klagt der Bayerische Rundfunk.

Mit nur geringer Mühe kann es der Münchner Stadtrat fertigbringen, dass sich in der bayerischen Metropole das künstlerische Niveau dem politischen angleicht. Aber dann gute Nacht! Der Fall Gergijew ruft indes einen anderen in Erinnerung: Als vor Jahren die Philharmoniker einen neuen Chef aus New York bekamen, der im Rufe stand, pädophil zu sein, wurde dies mit höflichem Schweigen übergangen.

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One thought on “Der Münchner Stadtrat, Putin und ein Dirigent”

  1. Diese Sopranistin Karita Mattila, ist seit der Unterzeichnung, des Vertrags mit einem Major Labels, Eigentum dieser Firma und ist natürlich gehalten, deren Anordnungen zu Befolgen, wenn sie nicht ihre Bestechung ( Gehalt ) verlieren möchte.

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