Libyen: Ban Ki Moon pfeifft UN-Mission zurück

Verfeindete Milizen haben eine Schlacht um den Flughafen von Tripolis entfesselt. Der UN-Mission UNSMIL, die das schäbige Erbe des NATO-Überfalls von 2011 verwaltet, wird die Sache zu gefährlich. Sie zieht ihre Mitarbeiter ab, vorübergehend, wie es heißt. Generalsekretär Ban Ki Moon sorgt sich wegen einer „dramatischen Zunahme der Gewalt“. Die Regierung in Tripolis, oder das, was sich dafür hält, erwägt, um eine Intervention von außen zu bitten, als hätte das Land davon noch nicht genug.

Von Andreas Beck

Libyen war einmal ein Land, in dem die Menschen die beste Bildung genossen und in Afrika die geringste Analphabeten-Rate hatte. Alles war gratis, auch die Universität. Kostenlos ebenso die Krankenversorgung. Die Lebenserwartung war relativ hoch, die Kindersterblichkeit die niedrigste in Afrika. Familien und mittelständische Existenz-Gründungen wurden gefördert. Die Landwirtschaft blühte, denn aus den Tiefen der Sahara wurde Wasser herbeigepumpt. Das war zu Zeiten des menschenverachtenden Diktators Gaddafi. Dann kam die NATO und bombte die Demokratie herbei.

Seither herrscht Bürgerkrieg, und das Land ist in drei Teile zerfallen: Im Osten die arabisch-dominierte Cyrenaika, im Nordwesten das stärker berberisch orientierte Tripolitanien und im Südwesten der Fezzan, wo die Tubu leben, die eine saharanische Sprache sprechen. Für alle gilt: Der soziale Standard Libyens ist zerstört, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft vernichtet und die Milizen, die die eigentliche Macht im Lande innehaben, verbreiten Schrecken und Unsicherheit. Das alles war gewollt. In diesem Zustand wird Libyen nicht mehr gegen den Westen aufbegehren.

Was aber den Flughafen angeht, so berichtet die staatliche Nachrichtenagentur LANA von einem Raketenüberfall, mehrere Dutzend Flugkörper hätten in Gebäude und Passagierflugzeuge eingeschlagen, 90 Prozent aller Maschinen seien beschädigt, ebenso der Tower. Es sind 15 Menschen getötet worden, 70 verletzt.

Den Flughafen Tripolis überfielen genau solche Milizen, die von den USA gegen Gaddafi aufgehetzt, mit Waffen und Geld ausgerüstet und von CIA-Einheiten sowie Blackwater-Söldnern unterstützt worden waren. Niemand der Beteiligten ist damals so naiv gewesen anzunehmen, diese Leute würden nach Gaddafis Sturz die Waffen niederlegen. Sie tun es auch nicht. Sie kämpfen weiter um die Macht, bis es kein Libyen und keine Macht mehr gibt.

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