Afghanistan: Die Lunte glimmt

Amerikas Demokratie-Export gerät ins Stocken. Kein Wunder bei einem Produkt, an dem weltweit so wenig Nachfrage herrscht – ganz gering beispielsweise in Afghanistan. Deshalb muss sich, wer immer an die Wahlen dort glaubt, fast noch drei Wochen gedulden, bis ihr Ergebnis bekanntgegeben wird. Anstatt Anfang des Monats darf man jetzt am 24. Juli damit rechnen zu erfahren, wer neuer Präsident des Landes sein wird.

Von Florian Stumfall

Genau genommen hatte bereits ein Ergebnis vorgelegen, doch dies wird angefochten. Der favorisierte Kandidat Abdullah Abdullah erkennt das Ergebnis der Stichwahl nicht an. Zwei Millionen Stimmern seien gefälscht worden, behauptet er. Sein Hauptgegner nämlich, Ashraf Ghani Ahmadzai, hat ihn in der zweiten Runde geschlagen, wo dieser doch beim ersten Durchgang noch elf Punkte zurückgelegen hatte. Jetzt bemüht man sich, die beiden Anwärter an einen Verhandlungstisch zu bringen, das heißt, die Sache im Hinterzimmer auszukugeln.

Russland verfügt, was Afghanistan angeht, über eigene schmerzliche Erfahrung und über Experten, die sich auskennen. Nach deren Meinung kann Afghanistan in den kommenden Monaten ebenso explodieren wie der Nahe Osten. Das sei das Ergebnis der US-Experimente, die dazu geführt hätten, dass das Land heute faktisch schon zersplittert ist.

Es sei verblüffend, sagt der stellvertretende Direktor des Instituts für Orientkunde der Russischen Akademie der Wissenschaften, Wladimir Issajew, welche strategische Blindheit die US-amerikanischen Dogmen hervorbringen, Die USA müssten jetzt genau jene Formationen bekämpfen, die sie selbst geschaffen und bewaffnet haben – in Afghanistan, Libyen, im Irak, in Syrien und in Ägypten, bemerkt Issajew und fährt fort: „Ungeachtet jener Hilfe, die sie den neuen Regimen erweisen, führt sie nur zur weiteren Verstärkung der Spaltung in diesen Ländern und zu weiteren Problemen. Libyen ist aufgelöst und zerfällt mindestens in drei Teile. Der Irak ebenfalls, man sagt voraus, dass er in drei bis vier Teile zerfallen wird. Afghanistan existiert de jure, de facto ist es jedoch eine Sammlung afghanischer Emirate. Es ist also eine Auflösung von einst unitären Staaten in mehrere Teile, die ihre Beziehungen zueinander mit Hilfe eines Krieges aufbauen.“

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