Poroschenko und Kerry. Bild: US Departement of State

Als Informant für das US State Departement hielt Poroschenko beispielsweise die amerikanische Botschaft über Entwicklungen in der Ukraine auf dem Laufenden. Unter diesen Vorzeichen ist umso verständlicher, dass sich erneut Ukrainer auf dem Maidan sammeln, um die Auflösung der aktuellen Regierung und Neuwahlen zu fordern. Tenor: Diese neue Regierung ist schlimmer, als die vorherigen. Großen Gefallen findet die Tatsache, dass Poroschenko über mehrere Jahre als Aufseher der ukrainischen Zentralbank agierte. Selbstverständlich hat er bis heute beste Verbindungen in die Finanzwelt.

Von Daniela Disterheft

In einem Gespräch mit US-Diplomaten  im Jahre 2006, soll er nach WikiLeaks-Angaben Julia Timoschenko als „nicht vertrauenswürdig“ „unaufrichtig“ und „prinzipienlos“ eingestuft haben. Auch in den kommenden Jahren bestand ein enger Kontakt zwischen Poroschenko und der amerikanischen Botschaft. Dies ist der Inhalt einer vertraulichen Nachricht vom 09.10.2009. Die US-Botschaft vermerkt darin über ihren Agenten: „Poroschenko, ein reicher Geschäftsmann mit zahlreichen politischen Kontakten, setzte sich für eine verstärkte europäische Integration und programmatische Beziehungen zu Russland ein.“

Weiters wird in dieser Nachricht darauf verwiesen, dass Poroschenko die Fähigkeit besitze, eine ausgleichende Rolle zwischen Timoschenko und Juschtschenko wahrzunehmen. Darin liege der Schlüssel für eine Nominierung Poroschenkos als Außenmeister. Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, sich in Erinnerung zu rufen, wer der Vereidigung Poroschenko international beiwohnte: Man sah einen deutschen Bundespräsidenten, Joachim Gauck und den Präsidenten des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy.

In der entsprechenden Nachricht wird weiterhin betont, dass gute politische Vernetzung sowie Pragmatismus Petro Poroschenko auszeichnen. Ihm ist jetzt eine Art Vermittlerrolle zwischen dem Westen und Russland zugedacht. Warum das? Sehr einfach. Herr Poroschenko verfolgt auf beiden Seiten eigene Interessen. Dies ergibt sich durch seine Unternehmen, die sowohl in Russland als auch in Europa tätig sind. Das macht ihn für beide Seiten akzeptabel.

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Ob er das Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnen wird oder nicht, ist noch nicht bekannt. Dem Oligarchen dürfte es auch in geraumen Maße darum gehen, seine Süßwaren, mit deren Hilfe er zum Oligarchen aufstieg, weiter gewinnbringend zu verkaufen. Poroschenko ist Inhaber des Süßwarenherstellers Roshen. Im März jedoch ließ Russland die Unternehmenskonten sperren sowie eine Produktionsanlage des Konzerns vorübergehend still legen.

Aktuell bedient sich Poroschenko einer eindeutigen Kriegsrhetorik. Ende Mai diesen Jahres zitierte ihn die Nachrichten Agentur AFP mit den Worten, dass „…eine Stabilisierung der Unruheregion ohne russische Vertreter, ohne ein Treffen mit der russischen Führung unmöglich“ sei.

Sämtliche Dokumente finden Sie direkt bei WikiLeaks.

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