Das GCHQ-Gebäude in Cheltenham, Gloucestershire. Bild: Defence Images CC-BY-SA 2.0

In einem 88 Seiten umfassenden Bericht legt der zweitgrößte Mobilfunkanbieter der Welt dar, welche Hintertüren von diversen Staaten ausgenutzt werden um ihre eigenen Bürger auszuspähen. Insbesondere ins Blickfeld gerät hierbei der britische Geheimdienst GCHQ, der durch sein Spionageprogramm "Tempora" medial bekannt wurde.

Von Marco Maier

Der sogenannte "Offenlegungsbericht zur Rechtsdurchsetzung" (Law Enforcement Disclosure Report) hat es in sich. Anstatt länger zu schweigen, zeigt der Bericht auf, wie die Staatsschnüffler von mehreren Ländern die ahnungslosen Kunden belauschen. Darin heißt es unter anderem: "In jedem Land in dem wir tätig sind müssen wir die Gesetze dieser Länder befolgen, die von uns verlangen, dass wir Informationen unserer Kunden an die Strafverfolgungsbehörden oder andere staatlicher Stellen weiterleiten, oder den Zugriff auf Dienste blockieren oder einschränken."

Weiter heißt es in dem Bericht: "Diese Gesetze wurden gemacht, um die nationale und die öffentliche Sicherheit zu schützen, oder um Kriminalität und Terrorismus zu untersuchen. Jene Geheimdienste und Behörden die sich auf diese Gesetze berufen bestehen darauf, dass die von den Kommunikationsdiensten wie Vodafone verlangten Informationen für deren Arbeit essentiell sind."

Vodafone stoppte demnach infolge der Veröffentlichung des Berichts die Zusammenarbeit mit dem britischen Geheimdienst GCHQ, der eng mit der US-amerikanischen NSA kooperiert. Insbesondere durch die Informationen Edward Snowdens, der über das Glasfaserkabel-Spionageprogramm "Tempora" des GCHQ berichtete, mit dem Millionen von Internetnutzern ausgeschnüffelt werden, erhielt der britische Geheimdienst schon auf seine Schlagzeilen. Unter den sieben Telekommunikationsunternehmen die auf der geleakten GCHQ-Liste standen, befand sich auch Vodafone.

Loading...

Der Bericht bot eine ernüchternde Einschätzung darüber, welche Macht die Geheimdienste zur Spionage haben. So heißt es darin weiter: "Geheimdienste und Behörden haben den Spielraum um erweiterte Analysetechniken für jeden Aspekt der individuellen Kommunikation, Bewegungen, Interessen und Vereinigungen – soweit, dass diese Aktivitäten rechtmäßig sind – anzuwenden, was eine Tiefe hinsichtlich der Echtzeit-Einblicke in unvorstellbare zwei Jahrzehnte zurück ermöglicht."

Betreffend der angeblichen Zusammenarbeit von Vodafone mit dem GCHQ gibt es jedoch nur eine hypothetische Möglichkeit, dass eine Bespitzelung stattfand oder immer noch stattfindet. Durch die Ausstellung eines Haftbefehls zur Erlangung privater Informationen "besteht eine Möglichkeit, dass die Macht groß genug ist um der Regierung einen direkten Zugang zum Vodafone-Netz zu ermöglichen", gesteht Vodafone in dem Dokument ein.

So hieß es seitens Vodafone, dass insgesamt sechs Länder in denen das Unternehmen tätig ist, die Gesetze es erfordern, dass die Telekommunikationsunternehmen einen direkten Zugangspunkt für die externe Überwachung installieren, oder dies den Regierungsbehörden erlauben zu tun. Welche Länder dies betrifft, wollte Vodafone jedoch nicht preisgeben.

"Diese Leitungen existieren, das direkte Zugriffsmodell existiert," sagte der Datenschutzbeauftragte des Konzerns, Stepean Deadman, gegenüber dem britischen Guardian. "Wir starten einen Aufruf um diese Direktzugriffe zu beenden, die als Mittel der Regierungsbehörden dienen um die Kommunikationsdaten der Menschen zu erhalten. Ohne einen offiziellen Haftbefehl, gibt es keine externe Sichtbarkeit."

Auf die Frage ob GCHQ das Vodafone-System direkt anzapft sagte Deadman, dass dies nach britischem Recht illegal wäre, da das Gesetz es verbiete, dass Geheimdienste ohne richterliche Anordnung Informationen sammeln. Dennoch ermögliche es dieses Sicherheitsleck den Geheimdiensten, wahllos Informationen über eine Unmenge an Zielen zu sammeln

Liebe Leser, wenn sie kein Abo abschließen möchten, können sie uns auch mit einer Spende unter dem Kennwort "Contra Magazin" auf folgendes Konto: IBAN: DE54 7001 1110 6052 6763 88, BIC: DEKTDE7GXXX oder per Paypal und Kreditkarte, unterstützen. Danke für ihre Hilfe!

Loading...

1 KOMMENTAR

  1. Vielen Dank für den sehr informativen Artikel! Alles in allem finde ich das ein sehr schwieriges Thema. Das die Geheimdienste machen was sie wollen kann ja niemand verleugnen. Problematisch finde ich es das, dass erst jetzt so allmählich, an die Öffentlichkeit gelangt. Den Schritt von Vodafone kann ich nur loben! Vodafone beweißt mit diesem Bericht eine beachtliche Portion an Mut. Ich kann nur hoffen, dass die Aufklärung und die Transparenz solcher Gepflogenheiten, weiterhin voranschreitet und wir in Zukunft nicht alles als Unveränderbar hinnehmen. Gruß J. Hallicher

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here