USA im Irak: Luftschläge vorbehalten

Friedensnobelpreisträger Barack Obama verkündete es persönlich: Washington ist bereit, die ISIS-Kämpfer im Irak militärisch anzugreifen. Die Rede ist von „gezielten Militärschlägen“. Zwar steckt dem Präsidenten die Erfahrung des Zweiten Golfkriegs offenbar noch derart in den Knochen, dass er allen Gedanken an den Einsatz von Bodentruppen abschwört. Doch Bekenntnisse dieser Art haben, wie bekannt, eine sehr geringe Halbwertszeit.

Von Florian Stumfall

Genau genommen folgt dem „Zwar“ das „Aber“ auf dem Fuß. Zwar will Obama keine Bodentruppen einsetzen, aber die Nachrichtendienste stärken und 300 Mann Spezialeinsatzkräfte in den Irak schicken, das will er schon. Das ist zweieinhalb Jahre nach dem offiziellen Abschluss der US-Intervention schon mehr als nichts. Vorerst. Und ISIS sei Dank für den fabelhaften Vorwand. Doch in der Hauptsache dürfen die Luftwaffe und hier vor allem die Drohnen-Flotte nicht vergessen werden. Für alle Fälle hat das Pentagon auch bereits einen Flugzeugträger, Stichwort Marschflugkörper, nämlich die USS „George H. W. Bush“, in den Persischen Golf geschickt, der von einem Raketenkreuzer und einem Zerstörer begleitet wird.

Das Auftreten und die Erfolge von ISIS, so Sergej Michejew, Generaldirektor des russischen „Zentrums für politische Konjunktur“, lasse das völlige Scheitern der westlichen Nahost-Politik erkennen. Seine Analyse ist schonungslos: „Die USA spielen dabei die führende Rolle. Im Grunde genommen haben die USA den ganzen Nahen Osten in das Chaos eines permanenten Mordens gestürzt und allen erklärt, dies sei eben die Demokratie.

Nicht genug, dass die Amerikaner Saddam Hussein gestürzt und die ganzen Jahre im Irak angeblich mit dem Aufbau einer Demokratie beschäftigt waren – sie waren es ja, die diese illegalen Kämpfer aus dem 'Islamischen Staat im Irak und in der Levante' begünstigt haben, welche jetzt auf Bagdad vorrücken. Diese Menschen haben in Syrien gegen Baschar al-Assad gekämpft, Amerika wie Europa haben gerade sie unterstützt, sie mit Geld und Waffen versorgt. Nun haben sich diese Menschen vorgenommen, die proamerikanische Regierung in Bagdad zu stürzen. Es ist mindestens ein blutiger Fehler der Amerikaner, maximal aber die Fortsetzung desselben Abenteuers.“

Was nun Obamas Irak-Konzept "No boots on the ground" angeht, so stößt er in Washington bereits auf Widerspruch. Natürlich ist es allen voran der unvermeidliche John McCain, der dem Mann im Weißen Haus zusetzt: „Der Präsident der Vereinigten Staaten geht Spenden sammeln und Golf spielen, und tändelt herum, während der Irak brennt.“

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